Dienstag, 11. April 2017


Der Schatten  

Im Hochsommer und bei großer Hitze ein gesuchter Ort, der Schatten. Die Menschen wählen dann gern ein schattiges Plätzchen zum Ausruhen. „Komm in den Schatten, mach einfach mal Pause!“ Im Schatten eines Baumes lässt sich die Gluthitze des Tages sehr viel leichter ertragen. Auch parkt vernünftigerweise  kein Mensch im Sommer freiwillig sein Auto in der prallen Sonne. Und Jeder, der bei 35° C einen Weg in der Stadt zu Fuß zurückzulegen hat, der benutzt wohlweislich die Schattenseite der Straße.

 Beim Wort „Schattenseite“ steigen sofort negative Gefühle in uns auf. Mit dem Wort Schattenseite verbinden wir nämlich die dunklen und hässlichen Seiten des Lebens. Schnell fallen uns solche Situationen ein und auch die Betroffenen, die ihr Leben auf dieser „Schattenseite“ fristen müssen. Sie gehören zu den benachteiligten und oft vergessenen Menschen. Es sind die Verlierer in der Gesellschaft. Sie und ihre Sorgen werden nicht mehr wahrgenommen. Ihr Leben ist ganz und gar nicht sonnig und schön. Ihr Alltag ist überschattet von Armut, Hunger und Gewalt jeglicher Art. Der dunkle Schatten der Angst vor Terror und Krieg liegt schicksalhaft Tag für Tag auf ihnen. Die Gleichgültigkeit der Mitmenschen überschattet sie wie eine dunkle Wolke und verbirgt ihre Not. So werden sie immer unbedeutender und letztlich völlig unsichtbar. Das Leben geht an ihnen einfach vorüber.

Diese Schattenseite sucht sich gewiss keiner freiwillig aus. Vielmehr möchten auch diese Menschen aus ihrem Schattendasein heraustreten, den Schatten loswerden, sich von ihm befreien. Sie hoffen immer darauf, einmal auf der Sonnenseite des Lebens ihr Glück zu finden. Dafür nehmen aktuell Millionen von Menschen die größten Gefahren für Leib und Leben in Kauf. Uns werden in drastischen Bildern diese Szenen täglich vor Augen geführt. Bombardierte Städte und Dörfer, weinende Kinder und schreiende Frauen, gekenterte Boote auf dem Mittelmeer, überfüllt mit Menschen aus Afrika und den unzähligen Krisengebieten unserer Tage. Die Verheißung und der Traum, einmal auf der Sonnenseite in Europa zu landen, lassen sie sich ihre ganzes Geld und all ihre Habe kosten. Kinder und Jugendliche werden deshalb  von den Familien allein auf einen ungewissen und gefährlichen Weg geschickt. Sie werden ausgenutzt und verraten von skrupellosen Schleppern, die ihnen zuvor etwas von diesem angeblichen Schlaraffenland Europa vorgegaukelt haben. Tausende haben dabei nur den Tod gefunden. Das Geschäft mit der Not anderer Menschen ist immer noch sehr einträglich. Doch es ist nur ein einseitiges und gutes Geschäft für die Schlepper und andere Nutznießer. Sie versprechen, was sie nicht halten können und wecken immer neue Illusionen bei so vielen Menschen. An einer hellen und friedlichen Zukunft in den Herkunftsländern scheint ihnen nichts, aber auch rein gar nichts zu liegen.

Und diejenigen, die es am Ende nach Europa schaffen, spüren sehr schnell, dass ihnen alles so fremd ist und ganz anders als erwartet. Schon sehr bald legen sich neue, dunkle Schatten bedrückend auf sie. Jetzt sehen sie mit eigenen Augen, dass es zwar Licht, aber auch viel Schatten in Europa gibt. Alles hat auch hier seinen Preis und längst nicht alle Bewohner der europäischen Länder heißen die Flüchtlinge und die Fremden willkommen. Resigniert und enttäuscht finden sie sich dann allein in einer völlig anderen Kultur und Sprache wieder. Fremd, heimatlos, überfordert und ohne den Schutz und die Wärme der eigenen Familie spüren sie umso deutlicher ihre Verlassenheit und die Kälte Europas. Und das nicht nur im Winter, wenn die Sonne tief steht und ihre langen Schatten wirft.

Aber auch weltweit sind die Schatten länger, dunkler und bedrohlicher geworden. Viele Menschen verspüren zunehmend immer mehr Ängste. Ob im persönlichen Leben, im Beruf und der Familie oder in der Gesellschaft. Sie haben das Gefühl, im eigenen Land nicht mehr sicher zu sein. Terroristische Akten und Gewalttaten nehmen auch in unserem Land zu. Ihre Auswirkungen werden noch durch die ständige Präsenz in den Medien erheblich verstärkt. Da helfen auch nicht die Beteuerungen der kriminologischen Statistiken, die besagen,dass die Zahl der Gewaltdelikte in Deutschland rückläufig sei. Unsicherheit und Zweifel bleiben und wuchern weiter. Wo aber das Vertrauen schwindet, da legt sich Angst wie ein dunkler Schatten auf die Seele der Menschen. Das macht sie krank.

Unberechenbare Politiker in verschiedenen Ländern versuchen sich auf gefährlichste Weise durch ihr Machtgehabe in Wort und Tat hervor zu tun. Sie werfen dunkle Schatten auf ihre eigenen Völker und begünstigen ein Klima von Angst und Misstrauen. Zwischen den Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen wird Hass und Feindschaft geschürt. Diese unheimlichen und fremden Schatten reichen bis hinein in unser Land und wirken mehr als verstörend.

„Amerika first - das eigene Land zuerst“, dieses Wort grenzt andere Völker aus. Solche nationalen Egoismen zerstören das gute Verhältnis zwischen der „Alten und der Neuen Welt“. Ebenso wird in Europa durch den Brexit die mühsam gewachsene Union aufgekündigt und schwer beschädigt, gerade in Zeiten, wo die Geschlossenheit der Europäischen Union besonders gefordert ist. Populisten haben hier ein leichtes Spiel, denn sie versprechen den Menschen etwas, was sie selbst nicht erfüllen können und dafür keinerlei Verantwortung übernehmen. Damit stellen sie sich dermaßen ins Rampenlicht, sodass ihre verhängnisvollen Schatten übermäßig groß und mächtig erscheinen. Diese überdecken die Realität und verdunkeln die Zukunft der Völker.

„Schatten“ ist hier bereits mehrfach als Metapher gebraucht worden. Eingangs habe ich auf seine einladende und wohltuende Seite verwiesen. Dabei bietet er einen willkommenen Platz zum Ausruhen in der Hitze des Sommers. Dort finden Menschen einen Ort des Friedens und der Entspannung. Der „Schatten“ steht aber besonders bedrückend für die Negativerfahrungen der Menschen, für all das Dunkle und Bedrohliche, wie auch schon im Text an Beispielen aufgezeigt wurde.

Wie aber ist mit dieser dunklen Seite umzugehen? Wir starren doch häufig wie gebannt gerade auf die düsteren Ereignisse im eigenen Leben und in der Welt. Diese Bad-News verdunkeln unsere Sicht und rauben uns sogar die Lebensfreude. Es ist deshalb schwer, eine allgemein gültige Antwort zu geben. Für mich ist ein afrikanisches Sprichwort sehr hilfreich geworden.  Es sagt: „Schau in die Sonne, dann fällt dein Schatten hinter dich“. 

Dieses Wort ist wie ein Haltegriff im Leben, es hilft einem, sich nicht ständig herunter ziehen zu lassen und nur noch dunkle Schatten zu sehen und sich zu ängstigen. Schau in die Sonne, auf das österliche Licht und lass deinen Schatten hinter dir. Sieh nicht zuerst das Dunkel, sondern schau auf all das Schöne und Helle im Leben. Die Sonne scheint doch für alle, und je höher sie steigt, umso kürzer werden die Schatten.



Sonntag, 2. April 2017



 Wer ist glücklicher?

In den letzten Tagen, genau gesagt, am 20. März, dem internationalen Welt-Glückstag, ist der „Welt-Glücks-Bericht 2017“ ver-öffentlicht worden. Um zu einem solchen Ergebnis zu kommen, werden seit 2012 jährlich jeweils über 3000 Menschen in 155 Ländern zu bestimmten Bereichen ihres Lebens befragt. Dabei geht es um ihr Einkommen und das Auskommen damit, ebenso werden die Arbeitsbedingungen beleuchtet, auf die Gesundheit und die Gesundheitsversorgung wird geschaut, wie viel Freiheiten der einzelne in dem jeweiligen Land hat, spielt ebenso eine große Rolle, natürlich wird sehr genau die politische Situation beobachtet und viele andere Bereiche des täglichen Lebens betrachtet und hinterfragt. Durch die Analyse der unterschiedlichsten Antworten der Befragten und durch die Bündelung dieser Aussagen zur weiteren Errechnung von vergleichbaren Durch-schnittsergebnissen, kommen die Sozialwissenschaftler am Ende zu einem sogenannten repräsentativen Ergebnis.

In diesem Jahr überraschten uns die Wissenschaftler mit ihrem Ranking in der UN-Studie, oder auch nicht, dass Norwegen das glücklichste Land der Welt sei. Platz 1 für Norwegen. Tolles Ergebnis, tolle Menschen! Aber wo steht eigentlich Deutschland auf dieser Rangliste? Kaum war das bekannt, da gab es auch gleich wieder Kritik: „Deutschland, nur auf Platz 16?“  Kann das denn sein?

Mag man von dieser Glücks-Forschung halten, was man will, was aber heißt denn da „nur Platz 16“? Mit dieser missmutigen Haltung ist es dann doch mehr als verwunderlich, dass die Deutschen immer noch unter den ersten zwanzig Ländern rangieren. Immerhin waren doch 155 Länder bei dieser Studie weltweit im Fokus der Wissenschaftler. Also liegen weit über hundert andere Länder auf den Plätzen hinter Deutschland. Wie unglücklich müssen denn diese Menschen erst sein?

Vielleicht sind die Menschen in anderen Ländern aber auch viel glücklicher und vor allem zufriedener, als die Forscher meinen? Gibt es wirklich glückliche und weniger glückliche Länder? Oder sind es nicht vielmehr immer die Menschen, die an verschiedenen Orten und zu bestimmten Zeiten leben, die einmal mehr oder weniger glücklich sind? 

Für mich wird dabei noch einmal ganz deutlich, dass sich das Glück der Menschen nicht allein an den materiellen und politischen Verhältnissen bemessen lässt. Sagt doch schon der Volksmund: „Geld macht nicht glücklich!“ „Aber es beruhigt“, fügt sofort der Schelm hinzu. Doch stimmt das? Ist es nicht eher so, dass die Angst wächst, das Geld schnell wieder zu verlieren? Jeder Besitz muss besonders gesichert und verwahrt werden. Das bereitet natürlich Sorgen und schafft so manch schlaflose Nacht. Nicht alles, was jemand hat, kann er heute noch  offen zeigen und sich damit schmücken, denn der Neid hat stark zugenommen und so eine regelrechte Neid-Debatte ausgelöst. Darin erhitzen sich zunehmend die Gemüter der Zeitgenossen.

Das Glück kann man nicht kaufen und es auch nicht selber machen. Es wird einem geschenkt, oder auch nicht. Wer es aber erlebt, der kann es oft selbst nicht fassen und schon gar nicht mit Worten beschreiben. Es ist einfach da, unbeschreiblich schön. Oft sind es zwar nur kurze Glücksmomente, kurze Augenblicke, die schnell wieder vergehen, aber sie sind dennoch ganz und gar real. Wie kann also jemand von außen dieses Glück eigentlich messen und bewerten? Keine Rangliste eines sogenannten „Glücks-Reports“ kann darüber wirklich etwas Substantielles aussagen. Glück ist und bleibt ein sehr persönliches Gefühl und ein sehr flüchtiger Zustand im Leben des Menschen.

Das Glück ist oft schillernd, zart und zerbrechlich wie eine Seifenblase. Auch sie kann ich nicht festhalten. Ich würde sie sogleich zerstören. Solange sie durch die Luft schwebt, kann ich mich aber an ihrer Schönheit erfreuen. Worüber Menschen glücklich sind, das ist so unterschiedlich, wie jeder Mensch einzigartig ist. Da freut sich der eine und ist glücklich, weil er im Spiel gewonnen hat. Ein anderer dagegen freut sich, wenn sein Nachbar, den er so gar nicht leiden kann, das Spiel verliert und unglücklich ist. Was ist nun eigentlich Glück? Woran ist es erkennbar? Was braucht der Mensch zu seinem Glück?

Für jeden Menschen hat das Glück ein anderes Gesicht. Mal ist es das Gesicht eines lieben Menschen, der mich anschaut, der mich liebt und mir nah ist. Mal ist es der Freund, dem ich wichtig bin, der mich so annimmt, wie ich bin. Jemand der einfach da ist, wenn er gebraucht wird. Diese Momente der Nähe erfahre ich dann als beglückend und befreiend. Es ist wohl diese Übereinstimmung mit anderen Menschen, mit der Natur und letztlich auch mit mir selbst, die das Glück in unserem Inneren wachsen lässt. Es muss also sehr vieles im Leben zusammenspielen und harmonieren, damit ein Mensch das Glück, sein Glück, als solches selbst verspürt. Oft nur für einen Moment, aber dann kommt es aus der tiefsten Tiefe seines Seins. Dann ist es einfach da und der Mensch ist "im Glück". Solches Glück ist immer das unerwartete Geschenk eines Anderen!

Dieses Glück lässt sich doch nicht messen und in einem Ranking  statistisch erfassen. Schon gar nicht kann es mit dem Glück anderer Menschen verglichen werden. Das wäre immer ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, ein Vergleich zwischen zwei Ungleichen. Zudem machen Vergleiche erfahrungsgemäß die Menschen eher unzufrieden und nicht glücklich. Deshalb kann auch kein Wissenschaftler auf der ganzen Welt wirklich sagen, welches Land und welche Menschen am glücklichsten sind. Es stimmt zwar, nicht alle Menschen auf der Welt haben immer und überall die gleiche Situation in ihrem Leben, aber sind die einen deshalb auch gleich glücklicher und andere unglücklicher? Genau das bezweifle ich sehr stark.

Ist es deshalb nicht müssig, dem vermeintlichen Glück hinterherzujagen, auf das große Glück zu warten und dabei die geschenkten Glücksmomente zu verpassen?



Freitag, 17. März 2017


Alles muss raus!

So tönt es lautstark aus den Lautsprechern im Kaufhaus. Zudem  springt uns dieser Satz überdimensional groß von den Plakatwänden förmlich an. Immer wenn eine neue Kollektion ins Haus steht, dann werden die Regale und Lager geräumt. Wenn Neues kommt, muss das Alte raus.

Alles muss raus! Okay, aber nicht immer und überall. Doch Vieles muss raus, kann raus, wenn Veränderungen anstehen. Genau dann merken wir nämlich, dass sich unsere Keller und Dachböden, die Schuppen und Schränke angefüllt haben mit Dingen, die wir nie wieder benutzt oder gar gebraucht hätten.

Ein im Sommer anstehender Umzug aus der Wohnung nach unglaublichen 58 Jahren, war jetzt der Anlass, zuerst einmal den Keller und den Schuppen im Garten auszuräumen. Zu viert haben wir innerhalb von knapp zwei Stunden einen ganzen Container mit Gerümpel beladen. Und das ist längst noch nicht alles. Man glaubt es kaum, was sich so im Laufe der Jahre angesammelt hat.

Bevor der Container kam, wurde aber noch einmal aussortiert, denn wie gesagt, nicht alles muss raus, aber Vieles kann weg. Da kamen nach langer Zeit noch so manche schöne Dinge wieder ans Tageslicht, Dinge mit Erinnerungswert, aber auch Dinge und Sachen, die schon längst als verloren galten. Viele Dinge, die zwar nicht mehr zu gebrauchen waren, von denen man sich aber nicht trennen konnte. Sie alle landeten im Keller oder im Schuppen und fristeten dort ein vergessenes Dasein.

Ich bin sicher, jeder von uns hat solche Räume, Schränke, Regale und Kisten, in denen verborgene Schätze, aber eben auch überwiegend unnötige Kleidung, Bücher und andere Dinge lagern. Langsam wird es dann immer enger. Für Neues ist kaum noch Platz. Ähnlich ist es in der digitalen Welt. Die Festplatten quellen schon bald über von Unmengen an Datenmüll. Die Speicher müssen immer größer werden. Was ist davon wirklich wichtig? Da heißt es dann logischer Weisen: „Vieles muss raus“. 

Doch wenn es uns schon so schwer fällt, uns von ausgedienten Gegenständen und zu eng gewordener Kleidung, also von rein materiellen Dingen zu trennen, wie sieht es dann erst mit unseren inneren Einstellungen und Haltungen aus? Auch da sollte wohl jeder Mensch von Zeit zu Zeit einmal aufräumen und aussortieren. Vorgefaste Meinungen über einen anderen Menschen blockieren dort zum Beispiel seit langem mein Denken. „Der andere ist eben so, basta!“ Solche festgelegte Haltung lässt dann auch keine Änderung mehr zu. Eine einmal gemachte schlechte Erfahrung in einer konkreten Situation wird pauschal auf alle anderen angewendet. Für neue Sichtweisen bleibt da kein Raum. Alles, was uns blockiert, muss deshalb dringend raus. Sonst nimmt allmählich unser ganzes Leben einen „dumpfen Kellergeruch“ an, der schier unerträglich ist.

Muss es denn immer erst eine menschliche "Grenzerfahrung" sein, die uns zum Nachdenken bringt. Nein, wenn das buchstäbliche Ausräumen von unbrauchbaren und schlechten Gedanken, Vorstellungen und besonders von lang gehegten Vorurteilen so wichtig ist, dann ist es jetzt an der Zeit, etwas für sich zu tun.

Die Franzosen nennen das „Revision de vie“, eine Lebensüberprüfung. Dabei wird aber nicht nur ausgeräumt und entrümpelt, sonder dabei wird wieder ganz viel Wertvolles zu Tage gebracht, da gibt es sicher bei jedem einzelnen von uns versteckte Fähigkeiten und Talente, gute Erinnerungen und viele Gründe zum Danken, das alles schlummert aber ungenutzt in uns. Diese Schätze können neu zum Tragen kommen und sie werden anderen Menschen gut tun. Der Blick auf unser Leben und auf das unserer Mitmenschen, der oft durch  solche sperrige Haltungen und tief sitzende Vorurteile verstellt ist, wird nun wieder frei. Nicht nur wir schauen mit neuen Augen in die Welt, sondern auch wir selbst werden ganz anders wahrgenommen und neu erlebt. Das macht froh und frei.

Warum also noch länger warten? Wir müssen nicht extra einen Container bestellen, aber wir sollten uns dafür etwas Zeit nehmen und uns ernsthaft fragen, was wirklich Wert und Bestand in unserem Leben hat und was ist eher hinderlich? Was schleppen wir an Ballast mit uns herum? Natürlich, nicht alles muss raus, aber vieles kann und sollte endlich raus, damit für das wirklich Wichtige, Bleibende und Wertvolle Platz wird.


Freitag, 6. Januar 2017


Weihnachten – war da nicht noch was?

Wenn die letzten Geschenke ausgepackt sind, der Gänsebraten und die Klöße schwer im Magen liegen und der Ruf nach einem Magenbitter laut wird, dann ist Weihnachten.  Da müssen auch noch ganze Berge von Plätzchen und anderen Süßigkeiten vertilgt werden, komme was da kommen mag. Selbstverständlich steht auch schon die leckere Apfelsinentorte  auf der Kaffeetafel bereit. Ohne sie und ohne die legendäre Zitronencreme als Dessert, wäre ja Weihnacht sowieso kein richtiges Weihnachten. Oder?

Und ist es nicht schön, einmal Zeit zu haben? Na ja, Zeit, die sich schon einmal etwas zähe und träge zwischen den Mahlzeiten an diesen freien Tagen hinzieht. Aber Hauptsache, die Familie sitzt zusammen und Oma erzählt von früher. Für die Enkel eher eine ferne Zeit und eine ziemlich fremde Welt, die da auftaucht. Eben Omas Welt. Auch wenn sich manches bei den Erzählungen wiederholt, so gehören sie doch zum Fest, wie „Sissi“, „Der kleine Lord“ oder „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Eben die Klassiker.

Und wieder mal typisch, auch das Wetter ist gar nicht weihnachtlich. Was das auch immer heißen mag? Jedenfalls ist es nicht so, wie man es sich in unseren Breiten wünscht. Kein Schnee, keine klare winterliche Luft, dafür stürmt es  und ist nasskalt. Da zieht es keinen so richtig nach draußen. Obwohl gerade ein paar Schritte in freier Natur dem Bauch recht gut täten und der Kopf durchlüftet und wieder frei für neue Gedanken würde.

Doch der Weihnachtsmarathon geht unerbittlich weiter. Koste es, was es wolle. Apropos, der Blick ins Portmonee ist jetzt besser kein Thema. Schließlich ist nur einmal Weihnachten im Jahr. Wein, Sekt und Glühwein stehen bereit und dürfen auf keinen Fall fehlen. Dazu noch allerlei süße Plätzchen und Nüsse, die so ganz nebenbei verzehrt werden und den Blutzuckerwert auf ein Weihnachtshoch schnellen lassen. Macht ja nichts, der sinkt schon wieder, genau wie die Stimmung. Die kann nämlich ganz schnell mal kippen bei  allzu großen Erwartungen nach Harmonie und Nähe und das auf engstem Raum.

Nun mal ehrlich, nach drei solchen Tagen, ist das auch verständlich. Wie schon Goethe sagte: „Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen“. Da sehnt sich doch fast jeder nach etwas Weniger von allem und das ist bekanntlich oft mehr und natürlich viel gesünder für den armen Magen. 

Nun liegen die Weihnachtstage schon wieder hinter den gestressten Menschen und in der Zeit zwischen den Jahren hat so mancher wohl gedacht: „Gott sei Dank, das haben wir mal wieder geschafft!“ Das neue Jahr hat begonnen. Aber vorbei ist Weihnachten nicht wirklich, denn die Zeit nach Weihnachten ist schon wieder die Zeit vor Weihnachten. Und für viele Zeitgenossen, die noch nicht genug haben von Glühwein, Plätzchen und Bratwurst, bleiben ja die Weihnachtsmärkte noch geöffnet, auch wenn sie jetzt „Wintermarkt“ heißen. Der Duft von Glühwein und Bratfett ist aber doch der gleiche.

Ja, Weihnachten – war da nicht noch was? Etwas ganz anderes? Was war das nur? Über die Jahre und Jahrzehnte hinweg ist der Sinn von Weihnachten bei einer großen Mehrheit der Menschen allmählich geschwunden oder hat zumindest seine ursprüngliche Bedeutung weithin verloren. An seine Stelle ist vielfach eine Veräußerlichung des Weihnachtsfestes und vor allem die Kommerzialisierung getreten. Doch das Weihnachtsgeschäft möchte der Handel auf keinen Fall missen.

Ein Fest, ein wirkliches Fest sollte es doch sein. Ein Fest der Freude und des Friedens in Ruhe und ohne Stress.  Die Alten wissen es noch und manche Junge ahnen es vielleicht, dass die Menschen vor zweitausend Jahren beschenkt worden sind. Man erzählt sich, dass die wahre Lieb zur Welt gekommen sei. Sie hat Hand und Fuß bekommen. Sie ist wie ein Licht in der Dunkelheit.  Sie gibt den Menschen Hoffnung und Kraft. Die Geburt Christi ist also der wahre Grund des Christfestes, wie es mancherorts noch heißt. Wer dieser seiner Liebe begegnet und sich von ihr leiten lässt,  der wird vom Beschenkten selbst zum Schenkenden. 

Dann ist Weihnachten. Die Geschenke müssen dann keine teuren, aufwändig in Hochglanzpapier verpackten, Geschenke sein, die oft nur die  anderen beeindrucken sollen. Es werden Geschenke sein, die von Herzen kommen, die dem anderen zeigen, du bist mir wichtig. Diese Geschenke liegen nicht zuhauf unter dem Weihnachtsbaum, aber sie erfüllen jeden Raum. Sie sind nämlich genau das, was jeder einzelne Menschen zum Leben braucht: Anerkennung, Aufmerksamkeit, Barmherzigkeit, Begegnung und Mitgefühl, Annahme und Empathie, Ehrlichkeit, gute Worte, die keine ungedeckten Schecks sind, Zuwendung ohne jede Berechnung und Heuchelei, Zeit ohne heimlichen Blick auf die Uhr, Gedanken des Wohlwollens, es werden erlebnisreiche Augenblicke sein und stille Momente in Harmonie und innerem Frieden. Das wird ein Fest sein!

Deshalb sind auch der Phantasie keine Grenzen gesetzt und ehrlich, dann müssen wir nicht erst auf Weihnachten warten. Schenken und beschenkt werden, öffnen die Hände und die Herzen der Menschen. Ja, da war doch noch was! Und da geht noch mehr!

 

Sonntag, 4. Dezember 2016


„Dann bin ich ganz glücklich…“

Freitagabend. Kurz noch in den Back-Shop. Schnell ein leckeres Cranberry-Walnuss-Brot erstanden und ein paar Brötchen. Beim Einpacken höre ich hinter mir die Bestellung einer älteren Dame: „Kann ich bitte auch ein halbes Cranberry-Walnuss-Brot bekommen?“ „Selbstverständlich, gern“, antwortet der Verkäufer freundlich. „Wenn Sie mir dann noch drei Scheiben davon abschneiden könnten, dann bin ich ganz glücklich“ meinte die Kundin noch.  Als ich mich nach ihr umschaute, sah ich in ihr glücklich lächelndes Gesicht. Das tat richtig gut.

Wie wenig doch zum glücklich sein genügt? Daran musste ich dann beim Abendessen wieder denken. Ein knackiger Salat und dazu eine Scheibe von dem köstlichen Cranberry-Walnuss-Brot mit Butter. Ein wahrer Genuss. „Es muss nicht immer Kaviar sein“, wie schon Mario Simmel vor vielen Jahren einen seiner Romane betitelte. Damit hatte er doch wirklich recht. 

Wie kommt es bloß, dass gerade in diesen Tagen und Wochen der Vorweihnachtszeit die Menschen meinen, sie müssten immer größere und teurere Geschenke zum Weihnachtsfest kaufen? Dabei werden doch nur die Geldbörsen und Bankkonten über alle Maße strapaziert. „Ach, es ist doch nur einmal Weihnachten im Jahr“, heißt es dann ganz schnell. Damit beruhigt sich jeder wieder selbst. Je höher der Einsatz, je größer der Gewinn.

In diesen Wochen kramt so mancher in seiner Erinnerung nach oder er hat es sich sogar notiert, was er im letzten Jahr den anderen geschenkt hat und besonders, was er im Gegenzug bekommen hat. Es darf ja auf keinen Fall jemand vergessen werden oder nur ein unscheinbares Präsent bekommen. Ein gutes und spannendes Buch, das einem selbst gefallen hat und das dem anderen sicher auch Freude machen würde, reicht da schon längst nicht mehr aus. Neueste Elektronik, teure Designerklamotten, exquisite Delikatessen, alles vom Feinsten, die Messlatte wird von Jahr zu Jahr höher gelegt. Man will sich ja nicht lumpen lassen und vor allem keinem etwas schuldig bleiben. Das große Geschenke-Spiel: "Das schenk ich Dir - was schenkst Du mir?" läuft wieder auf Hochtouren. "Alle Jahre wieder...."

Ob sich dann am Weihnachtsfest tatsächlich jeder über all die sündhaft teuren Geschenke auf dem Gabentisch freuen wird, das bleibt letztendlich abzuwarten. Können denn diese Geschenke, hinter denen solche und ähnliche Überlegungen stehen, die anderen wirklich glücklicher machen? Potenziert sich etwa das Glück automatisch mit dem Preis oder der Menge und Größe der Geschenke? Diesem Trugschluss erliegen immer noch viele Menschen und meinen ernsthaft, wenn sie dieses oder jenes endlich hätten oder bekämen, dann wären sie glücklich.

Genau das stimmt aber eben nicht, denn Glück hat nichts mit Besitz zu tun. Jemand hat einmal gesagt: „Reich ist der Mensch, der arm an Wünschen ist.“ Wer also wunschlos ist, ist glücklich. Wer es schafft, sich dem ständigen Streben nach immer mehr und größeren materiellen Dingen bewusst zu entziehen, der wird nicht unglücklich, sondern der wird die kleinen Dinge im Leben als wahre Geschenke schätzen und sich freier und glücklicher fühlen. Sein Sinnen und Trachten ist nicht mehr so sehr vom ständigen "Habenwollen" bestimmt. Das ist genau so, als ob eine Last von seinen Schultern genommen würde. Warum sollten wir einander nicht diese Freiheit schenken?

Die Kundin im Back-Shop sah nicht gerade danach aus, als ob sie alle materiellen Reichtümer dieser Welt besitzen würde. Doch sie strahlte eine Ruhe und Zufriedenheit aus, und genau das, war ihr Reichtum. Nun brauchte sie nur noch ein halbes Brot und dann war sie wirklich glücklich.







 

Mittwoch, 19. Oktober 2016


Das Klassentreffen


„Wie doch die Zeit vergangen ist“, das ist wohl der häufigste Satz, der bei einem Klassentreffen zu hören ist. Beim Blick auf das Foto von der Einschulung hat mancher schon Schwierigkeiten, sich selbst noch zu erkennen. Um wie viel mehr, wenn man einstige Mitschüler nach der Schulentlassung zum ersten Mal nach 50 Jahren wieder sieht.
Da steht dann eine Gruppe völlig fremder Menschen auf dem Hof der ehemaligen Schule. Bin ich hier wirklich richtig? Natürlich, das Klassentreffen soll doch heute hier stattfinden. Verunsichert gehe ich auf die Gruppe älterer Leute zu. Nur nichts anmerken lassen, ist jetzt die Devise. Und es klappt. Andere sind scheinbar nicht so verunsichert wie ich und kommen gleich auf mich zu. Habe ich mich etwa nicht so sehr veränder? Jedenfalls fliegt mir gleich eine ehemalige Schülerin um den Hals und begrüßt mich herzlich. „Ach wie schön, sich nach so langer Zeit mal wiederzusehen“, stammele ich noch etwas benommen. Wer das eigentlich war, weiß ich immer noch nicht.

Alles klärt sich später sicher noch auf. Dazu sind ja solche Klassentreffen da. Wen ich aber zuerst erkenne, ist ein alter Lehrer. Na gut, alt war er für uns Schüler damals schon. Jetzt ist er 80 Jahre und wir sind auch alle weit in den Sechzigern. Wie doch die Zeit vergeht! Und so manches ist auch an uns vergangen. Bei den männlichen Mitschülern sind die Haare erheblich weniger geworden und die Stirn geht nun fast bis zum Nacken. Die Gesichter sind markanter geworden. Gezeichnet von Lachfalten oder von den Sorgen der letzten Jahre. Alles gestandene Frauen und Männer.

An keinem ist das Leben spurlos vorüber gegangen. Davon ist dann auch in den nächsten Stunden des Klassentreffens viel die Rede. Nach einer gewissen Zeit kann sogar ich die einzelnen Mitschüler wieder so einigermaßen den alten Namen zuordnen. Und ich staune immer wieder neu, was sie von mir und der Schulzeit noch  alles zu berichten wissen. Vieles davon halte ich einfach für eine ganz normale Legendenbildung nach so langer Zeit. Bei diesem Austausch von alten Schulgeschichten verging auch an diesem Tag die Zeit wieder wie im Flug.

Klassentreffen geben einem die Gelegenheit, Einblicke in das Leben der ehemaligen Mitschüler zu bekommen, mit denen man in seiner Kindheit über Jahre die „Schulbank gedrückt“ hat. Hier verknüpft sich die Frage nach der vergangenen Zeit, mit der Frage, was hat jeder damit gemacht oder was hat sie mit ihm gemacht? Die äußerlichen Veränderungen der einzelnen im Vergleich zu den alten Klassenbildern sind doch unverkennbar. Aber es ist noch so unendlich viel mehr geschehen. Aus den fröhlichen Kindern sind reife Erwachsene geworden, die schon wieder Kinder und Enkelkinder haben. Manche Ehe ist gescheitert. Der nächste musste den Verlust eines Partners verkraften oder gar den tragischen Tod eines Kindes. Andere sind selbst durch Krankheiten schwer gezeichnet und konnten nicht dabei sein. Und eine ganze Reihe der ehemaligen Mitschüler ist schon im Laufe der vergangenen Jahre verstorben. Auch um sie ging es in den Gesprächen an diesem Tag immer wieder.

So ein Klassentreffen ist ein regelrechtes Fest der Erinnerung. Aber auch ein Anlass zur Selbstreflexion. Keiner von den ABC-Schützen, die auf dem Bild von der Einschulung so erwartungsvoll in die Kamera schauten, konnte wissen, wo sie oder er nach 60 Jahren stehen werden. Alle haben sich auf den Weg in die Zukunft begeben. Jeder ist dabei seinen eigenen Weg gegangen, mit allen Höhen und Tiefen. Keiner hatte dabei einen „goldenen Weg“ und stets einen heiteren Himmel über sich. Darum ist alles Schielen auf die vermeintlichen Erfolge und Stärken der anderen einfach nur müssig. Die Wirklichkeit ist immer eine andere. Und alles hat seine Zeit und auch seinen Preis.

Klassentreffen lassen uns das Leben der anderen und das eigene Leben wieder realistischer sehen. Die Erinnerung wird mit der Realität konfrontiert. Das macht etwas traurig, aber zugleich auch wieder froh. Mit diesen und anderen Gedanken im Kopf und einem guten Gefühl im Bauch fahre ich ganz zufrieden zurück nach Hause.


Donnerstag, 6. Oktober 2016


Der Rote Turm, der  gar  nicht  rot ist

In Halle an der Saale steht auf dem Marktplatz ein markanter Turm. Es ist der „Rote Turm“. Viele Male bin ich schon daran vorbei gegangen, habe auf die Turmuhr geschaut, die sich dort oben befindet, und habe mir  nichts  weiter gedacht. Doch als ich im letzten Sommer einigen Besuchern die Stadt zeigen wollte, stolperte ich förmlich über diesen Turm. Genauer gesagt über dessen Namen: „Roter Turm“. Da fiel mir eigentlich erst auf, dass  der Turm doch gar nicht rot ist.

Meine Recherchen ergaben daraufhin ganz unterschiedliche Deutungen. Eine geht davon aus, dass das ursprüngliche Kupferdach rot erstrahlte, der wahrscheinlichere Grund ist der, dass dort am Turm das sogenannte Blutgericht abgehalten wurde. Ein dritter Grund ist die Annahme, dass sein Name einen Bezug zum Namen des am Bau beteiligten Architekten Johannes Rode hat und deshalb der „Rode-Turm“, später  der rote Turm genannt wurde. Wie es auch sei, heute gehört der rote Turm, der gar nicht rot ist, zur Silhouette der Stadt Halle und nur wenige wundern sich über den Namen.

Beim Nachdenken darüber kamen mir noch weitere Bezeichnungen und Namen in den Sinn, bei denen der Inhalt nicht oder nicht mehr mit der Sache übereinstimmt. Und trotzdem weiß jeder, was damit gemeint ist.

Handwerker messen noch immer mit ihrem „Zollstock“ die Länge einer Dachlatte oder eines Rohrs ab. Ursprünglich war das ein abgeschnittenes Stück Holz, mit dem Maß genommen wurde. Auch die spätere Maßeinteilung Zoll (ein Zoll gleich 2,56 cm) ist längst dem metrischen Maß gewichen und die heutige, korrekte Bezeichnung lautet „Gliedermaßstab“, die aber keiner benutzt. Wenn nun der Meister nach dem Zollstock verlangt, weiß jeder Lehrling, Verzeihung, jeder „Auszubildende“ gleich Bescheid und er bringt den „Zollstock“, der gar nicht mehr nach Zoll eingeteilt ist, zum Chef.

Selbst beim Telefonieren mit einem Smartphone kann man immer noch hören: „Der hat doch einfach aufgelegt“. Wie soll das eigentlich gehen? Bestenfalls drückt man die Taste zum Beenden oder wischt einfach über das Display. Trotzdem versteht jeder den gemeinten Sachverhalt. Das Gespräch ist beendet. Wie auch immer das gemeint war.

Natürlich hörte beim Geld schon immer die Freundschaft auf. Da wird genau auf Heller und Pfennig abgerechnet. Kein Mensch fragt sich dabei, wieso Heller und Pfennig? Haben wir nicht bereits seit dem Jahr 2000 Euro und Cent? Doch egal, die Bilanz muss einfach stimmen.

Und wenn an einer Stelle in der Gesellschaft die Mittel knapp sind, kommt prompt der Ruf, meistens aus der Opposition: „Da muss der Staat doch einfach mal „Geld in die Hand nehmen“, um diesen Zustand zu beenden. Wer nimmt  denn in solchen Größenordnungen noch Geld in die Hand? Dafür ist längst der elektronische Zahlungsverkehr üblich, bei dem die Geldströme weltweit bewegt werden. Selbst  Brot und Brötchen beim Bäcker werden immer häufiger mit EC-Karten bezahlt. Wer heute noch größere Summen Bargeld in die Hand nimmt, der macht sich leicht verdächtig, mit „Schwarzgeld“ zu hantieren. Deshalb wird ja zunehmend die Forderung nach der Abschaffung des Bargeldes sehr kontrovers diskutiert. Trotzdem weiß jeder, was damit gemeint ist.

Sicher sind Ihnen allen auch schon einmal solche oder ähnliche Bezeichnungen aufgefallen. Meistens denken wir uns gar nichts dabei. Es ist wie es ist. Das gehört zu unserer Sprache und zu unserem Leben. Manchmal ändern sich die Inhalte im Laufe der Zeit und trotzdem behalten wir die alten Bezeichnungen bei. Manchmal werden einfach neue Namen für alte Dinge erfunden und geprägt. Was vorgestern noch "Spitze" war, war gestern eher "cool" und ist heute "Mega geil" und morgen, wer weiß das schon?