Donnerstag, 23. November 2017


Grau und unsichtbar

In letzter Zeit habe ich verschiedentlich die Aussage gehört: „Mit zunehmendem Alter wird man einfach unsichtbar“. Woher kommt dieses Gefühl und bereitet eben mit diesem "zunehmendem Alter" den Menschen solches Unbehagen? 

Es ist offensichtlich, dass in der heutigen Gesellschaft die Verfallszeiten für Produkte, Innovationen, Trends und Meinungen sehr kurz geworden sind. Jeder spürt es im Alltag selbst. Was heute noch „in“ ist, das ist schon morgen wieder „out“. Produkte und Angebote, die nicht den Zusatz „neu“ oder noch besser „new“ bei ihrer Vermarktung tragen, die werden gar nicht erst angesehen. Wird nach geraumer  Zeit ein bestimmtes Produkt doch noch einmal nachgefragt, dann heißt es nur achselzuckend: „Das ist schon längst nicht mehr am Markt. Wir haben da aber ein brandneues Gerät für Sie“.

Alles Neue hat seine eigene Faszination. Welcher Käufer, der etwas auf sich hält, möchte schon ein Smartphone der vorletzten Genration kaufen? Die Frage nach der Notwendigkeit oder der Sinnhaftigkeit für die Neuanschaffung wird dabei gar nicht erst gestellt. Jedenfalls bei nicht denen, die es sich leisten können. Die anderen sind sowieso außen vor. Es scheint ein regelrechter Zwang auf den Konsumenten von Technik, Mode und Meinungen zu liegen. Sie müssen einfach immer ab to date und hip sein. Wer in dieser schnelllebigen Zeit diesem Trend nicht mehr folgen kann, der verschwindet einfach und sehr schnell von der Bildfläche und wird so buchstäblich unsichtbar!

Genau dieses Gefühl und mehr noch, diese Erfahrungen, stecken hinter der erwähnten Aussage. Besonders diejenigen, die eine gewisse Altersgrenze überschritten haben, spüren es zunehmend deutlicher, dass sie raus sind aus dem Spiel. Sie sind nur noch Teil einer immer größer werdenden, grauen Masse.  Darum kommen sie sich vor, als wären sie unsichtbar, denn keiner scheint sie mehr wahrzunehmen. Ihre Meinungen sind von gestern und längst überholt, ihre Erfahrungen interessieren nicht. Frauen haben dazu sehr bald noch das Gefühl, dass sie keiner mehr anschaut. Ist es nicht so? Wer nicht mehr angesehen wird, der verliert auch bald sein Ansehen und seine Würde.

Dort wo der Blick nur noch auf die neue und glänzende Oberfläche gerichtet wird, quasi nur die attraktive Fassade zählt, da geht aber Wesentliches verloren. Natürlich sind  so auch die oft verzweifelten Versuche, sich jugendlich aufzupeppen, gut verständlich. Der Erfolg jedoch lässt meistens auf sich warten. „Sehen und gesehen werden“, ist vielen Menschen überaus wichtig. Grau, unscheinbar, unbedeutend und gar unsichtbar zu sein, das möchte so leicht keiner akzeptieren. 

Nun komme ich noch einmal zurück auf die resignierend klingende Aussage: „Mit zunehmendem Alter wird man / frau einfach unsichtbar.“ Was ist daran eigentlich so schlimm, frage ich mich? Haben wir uns nicht als Kinder oder sogar auch später noch manchmal gewünscht, unsichtbar zu sein? Bei dem Gedanken ging sogleich unsere Fantasie mit uns durch. Was hätten wir da nicht alles erleben oder still und heimlich beobachten können? Wir wären den anderen stets überlegen und einen Schritt voraus, denn wir könnten sehen, aber würden nicht gesehen. Ist das nicht eine faszinierende Vorstellung?

Menschen im öffentlichen Leben und im Rampenlicht sind einer ständigen Beobachtung und Bewertung ausgesetzt. Das ist ein enormer Dauerstress. Jedes Wort, jede Geste wird aufs Genaueste registriert, analysiert und nicht immer wohlwollend kommentiert. Deshalb sind sie gezwungen, sich immer perfekt nach dem neuesten Trend zu stylen und publikumswirksam darzustellen, denn wer bei anderen gut ankommen will, der darf sich keine Blöße geben. Der Preis dafür ist jedoch sehr hoch.

Wer aber dank seiner „Unsichtbarkeit“, solche vordergründigen Rücksichten nicht mehr nehmen muss, der kann völlig entspannt sein. Das ständige „Muss“ und der Zwang fallen von ihm ab. Sie oder Er können nun einfach und schlicht sie selber sein. Sie sind zwar äußerlich ergraut und damit so gut wie unsichtbar für die anderen, die ihren Blick nur oberflächlich auf das Äußere richten, aber sie selbst erleben auch eine große Freiheit. Es muss nicht mehr ständig betrauert werden, was vergangen ist, sondern es können neue Möglichkeiten erkundet und erprobt werden.  Jegliches konkurrierende Gehabe, alle Selbstdarstellung und die unwürdige Anbiederung an die Meinungen des Mainstream entfallen. Wer diese neue positive Sicht und Haltung in seinem Leben gewonnen hat, der muss nicht mehr auf dem Feld der Eitelkeiten kämpfen und um jeden Preis der Sieger sein. Das hat er einfach nicht mehr nötig. Ist das nicht eine echte Befreiung von inneren und äußeren Zwängen, die sich Menschen oft selbst auferlegen?  Es tut so gut, aus dem „Hamsterrad" der Eitelkeiten aus zu steigen.

Und doch ist das Äußere für unendlich viele Menschen ein so großer Wert, der über alles andere gestellt wird. Kein Preis ist ihnen dafür zu hoch. Dabei ist das Äußere eines Menschen, doch das Vergänglichste im Leben. Alles hat seine Zeit und alles fließt, das wussten schon die Alten. Ja, unser Leben fließt uns wie Sand durch die Finger.  Nichts bleibt für immer, schon gar nicht die hoch gepriesene Jugendlichkeit, die Schönheit und der äußere Schein. Die „Diktatur der Äußerlichkeit“, wie ich sie einmal nennen will, macht aber auch viele Menschen zu Verlierern und schiebt sie an den Rand der Gesellschaft. Nicht jeder ist stark genug sich diesem Diktat zu widersetzen. Aus diesem Grund fühlen sich mehr und mehr Menschen unwichtig, bedeutungslos und sogar unsichtbar. Sie passen nicht in das vorgegebene Schema. Das hat fatale Folgen, denn wer nicht mehr wahrgenommen und anerkannt wird, wie er ist, der neigt leicht zu irrationalen Gefühlen und die wiederum führen  zu einem krankhaften Verhalten.

Im Kult der heutigen Äußerlichkeiten unverantwortlich ausgeblendet, dass es sehr viel mehr und Wichtigeres im Leben der Menschen gibt. Es zählen ganz andere Dinge, die das Leben  bestimmen und erst wertvoll machen. Wer diese Erkenntnis, ja diese Weisheit im Laufe seines Lebens gewinnt, der hat es nicht mehr nötig, der Äußerlichkeit zu frönen, denn die wahren Schätze liegen oft tief im Inneren verborgen. Wer nur auf die Oberfläche starrt, der wird sie nicht entdecken. Das Unscheinbare und Unsichtbare ist häufig das Wertvollere. 

So ist es auch bei den Menschen. Nicht die „Reichen und Schönen“ sind auch gleich die besseren und wertvolleren Menschen, mit nichten, sondern es sind vielmehr gerade die Menschen, die unbeachtet geblieben sind. Sie sind nämlich ganz und gar nicht unwichtig. In turbulenten Zeiten wären sie eine echte Alternative. Genau diese Menschen fehlen zur Zeit in der Politik und der Gesellschaft. Die öffentlichen Plattformen für  Selbstdarsteller jeden Couleurs dagegen, sind gut besetzt. In kritischen Situationen sind Gelassenheit und Sachlichkeit viel entscheidender,  als jedes aufgeregte und hektische Polarisieren.

Darum wären reifte und charakterfeste Menschen, die in Anlehnung an einen bekannten Aphorismus,  in großer Gelassenheit Dinge hinnehmen können, die sie nicht oder nicht mehr ändern können und trotzdem den Mut haben, Dinge zu ändern, die sie ändern können, dringend nötig und ein Gewinn für uns alle. Vor allem aber werden solche Menschen in großer Weisheit das eine vom anderen unterscheiden können.  

  

Sonntag, 5. November 2017


Herbst – nur Verlust und Leere?

Mensch – Du kannst die Welt, Deine Welt riechen, schmecken, fühlen, ja mit allen Sinnen erspüren. Wer in diesen Tagen durch einen Park oder unter den Bäumen einer Allee entlang geht, der riecht ihn, den Herbst. Ihm strömt dieser markante, erdige Geruch, den die herabgefallenen Blätter der Bäume verströmen, sofort in die Nase.  Bald schon werden diese Blätter selbst wieder zur Humus, zu gutem Boden, auf dem neues Leben wachsen kann.

Ist es ein sonniger und trockener Herbsttag, dann rascheln die bunten Blätter unter den Füßen und es ist für die Kinder eine große Freude sich in einen Blätterhaufen fallen zu lassen oder die Blätter mit vollen Händen in den Himmel zu werfen. Der Wind trägt sie dann davon. Derselbe Wind ist es auch, der im Herbst die Papierdrachen aufsteigen lässt, die dann hoch am Himmel ihren farbenfrohen, ja fröhlichen Tanz in den Wolken zur Freude aller Zuschauer zeigen.

Doch aus dem Spiel der Blätter und der bunten Drachen im Wind kann ganz schnell bitterer Ernst werden. Nämlich dann, wenn der Wind zum Sturm anschwillt, der alles mit seiner enormen Kraft mit sich reißt. Es sind die gefürchteten Herbststürme, die Bäume entwurzeln und Dächer abdecken. Sie brausen über das Land und legen das sonst so mobile Leben für Stunden oder Tage lahm. Viele unterschiedliche Gesichter hat also der Herbst.

Dazu gehören auch die dunklen und nasskalten Tage und Wochen, wenn der Nebel uns einhüllt, wie eine feuchte Decke. Die Nebelschwaden wabern durch die Straßen und hängen den ganzen Tag wie ein bleischwerer Vorhang grau vor unseren Augen. Da wird das Sehen eher zum Tasten und Fühlen. Alle Fortbewegung wird verlangsamt. Die kalte Nässe benetzt unsere Haut und lässt uns schon mal frösteln. Jeden drängt es dann, schnell wieder ins Trockene und Warme zu kommen.

Doch das, was uns an solchen Tagen so unangenehm berührt und uns die Sicht nimmt und das Atmen schwer macht, wird ganz plötzlich über Nacht zu einer echten Überraschung. Welch ein Anblick, wenn wir am Morgen aus dem Fenster sehen. Die Kälte hat den Nebel und alle Feuchtigkeit erstarren lassen und es haben sich weiße, glitzernde Kristalle gebildet, die sich überall an den Zweigen der Bäume, auf den Rasenflächen, den Zäunen und Hecken festgesetzt haben. Der Raureif hat alles mit seinem weißen Zuckerguss überzogen. Alles scheint wie verzaubert. Doch ach, wie flüchtig ist doch diese Schönheit, ist dieser Zauber. Schon bald tropft es wieder nass und kalt auf uns herab von den Ästen und Zweigen der Bäume, so dass die Wege gefährlich glitschig werden. Nichts bleibt für immer, oft sind es nur kurze Momente des Glücks und der Freude. Die schönsten Augenblicke im Leben können wir nicht festhalten. Der Herbst lässt das für uns wieder einmal ganz deutlich werden.

Wenn etwas Schönes vergangen ist, sind wir traurig, weil es nicht mehr da ist. Der Herbst ist die Jahreszeit, in der alles Leben zurückfährt und so manches für alle Zeiten vergeht. Der Herbst in all seinen Facetten ist ein deutlicher Hinweis auf die Vergänglichkeit allen Seins. Die Blätter fallen und die Temperaturen auch. Der Nebel lässt die Sonne für Tage verschwinden. Die Sehnsucht nach Helligkeit und Licht macht manche Menschen förmlich krank. Nun bestimmt das eintönige Grau die Tage und Wochen. Auch die buntesten Herbstblätter sind längst unansehnlich und fad geworden. Sie werden am Boden zertreten. Nichts erinnert mehr an die schönen Farben des Sommers, an seine Wärme und die Helligkeit. Die Fülle ist der Leere gewichen. Positive Empfindungen sinken in den Minus-bereich ab, so wie die Temperaturen auch. Das  Gefühls-Barometer fällt fast ins Bodenlose.

Aus dieser Sicht auf die Dinge und die Menschen, drängt sich das Gefühl des Verlustes  deutlich in den Vordergrund. Da ist plötzlich etwas oder jemand einfach nicht mehr da. Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Und es wird auch nie wieder so sein. Eine unendliche Leere umfängt dabei die Menschen. Sie sind nur noch auf ihre Verluste fixiert.

Es ist schmerzhaft, etwas oder gar jemanden zu verlieren. Doch der Schmerz wird nicht geringer, wenn wir nur noch auf den Verlust starren. Ist es da nicht viel wichtiger und befreiender für jeden, sich dankbar und froh daran zu erinnern, dass man viele schöne Dinge im Leben genießen durfte, einen Menschen geliebt hat oder von ihm geliebt wurde?

Der Herbst kann uns lehren, nicht nur auf die kahlen Bäume und Sträucher zu schauen, sondern uns gern und voll Dankbarkeit an die Farben und Düfte des Frühlings und des Sommers zu erinnern, die wir alle so selbstverständlich genießen durften. Dann können wir uns schon jetzt auf alles Neue und Schöne freuen.




Dienstag, 11. April 2017


Der Schatten  

Im Hochsommer und bei großer Hitze ein gesuchter Ort, der Schatten. Die Menschen wählen dann gern ein schattiges Plätzchen zum Ausruhen. „Komm in den Schatten, mach einfach mal Pause!“ Im Schatten eines Baumes lässt sich die Gluthitze des Tages sehr viel leichter ertragen. Auch parkt vernünftigerweise  kein Mensch im Sommer freiwillig sein Auto in der prallen Sonne. Und Jeder, der bei 35° C einen Weg in der Stadt zu Fuß zurückzulegen hat, der benutzt wohlweislich die Schattenseite der Straße.

 Beim Wort „Schattenseite“ steigen sofort negative Gefühle in uns auf. Mit dem Wort Schattenseite verbinden wir nämlich die dunklen und hässlichen Seiten des Lebens. Schnell fallen uns solche Situationen ein und auch die Betroffenen, die ihr Leben auf dieser „Schattenseite“ fristen müssen. Sie gehören zu den benachteiligten und oft vergessenen Menschen. Es sind die Verlierer in der Gesellschaft. Sie und ihre Sorgen werden nicht mehr wahrgenommen. Ihr Leben ist ganz und gar nicht sonnig und schön. Ihr Alltag ist überschattet von Armut, Hunger und Gewalt jeglicher Art. Der dunkle Schatten der Angst vor Terror und Krieg liegt schicksalhaft Tag für Tag auf ihnen. Die Gleichgültigkeit der Mitmenschen überschattet sie wie eine dunkle Wolke und verbirgt ihre Not. So werden sie immer unbedeutender und letztlich völlig unsichtbar. Das Leben geht an ihnen einfach vorüber.

Diese Schattenseite sucht sich gewiss keiner freiwillig aus. Vielmehr möchten auch diese Menschen aus ihrem Schattendasein heraustreten, den Schatten loswerden, sich von ihm befreien. Sie hoffen immer darauf, einmal auf der Sonnenseite des Lebens ihr Glück zu finden. Dafür nehmen aktuell Millionen von Menschen die größten Gefahren für Leib und Leben in Kauf. Uns werden in drastischen Bildern diese Szenen täglich vor Augen geführt. Bombardierte Städte und Dörfer, weinende Kinder und schreiende Frauen, gekenterte Boote auf dem Mittelmeer, überfüllt mit Menschen aus Afrika und den unzähligen Krisengebieten unserer Tage. Die Verheißung und der Traum, einmal auf der Sonnenseite in Europa zu landen, lassen sie sich ihre ganzes Geld und all ihre Habe kosten. Kinder und Jugendliche werden deshalb  von den Familien allein auf einen ungewissen und gefährlichen Weg geschickt. Sie werden ausgenutzt und verraten von skrupellosen Schleppern, die ihnen zuvor etwas von diesem angeblichen Schlaraffenland Europa vorgegaukelt haben. Tausende haben dabei nur den Tod gefunden. Das Geschäft mit der Not anderer Menschen ist immer noch sehr einträglich. Doch es ist nur ein einseitiges und gutes Geschäft für die Schlepper und andere Nutznießer. Sie versprechen, was sie nicht halten können und wecken immer neue Illusionen bei so vielen Menschen. An einer hellen und friedlichen Zukunft in den Herkunftsländern scheint ihnen nichts, aber auch rein gar nichts zu liegen.

Und diejenigen, die es am Ende nach Europa schaffen, spüren sehr schnell, dass ihnen alles so fremd ist und ganz anders als erwartet. Schon sehr bald legen sich neue, dunkle Schatten bedrückend auf sie. Jetzt sehen sie mit eigenen Augen, dass es zwar Licht, aber auch viel Schatten in Europa gibt. Alles hat auch hier seinen Preis und längst nicht alle Bewohner der europäischen Länder heißen die Flüchtlinge und die Fremden willkommen. Resigniert und enttäuscht finden sie sich dann allein in einer völlig anderen Kultur und Sprache wieder. Fremd, heimatlos, überfordert und ohne den Schutz und die Wärme der eigenen Familie spüren sie umso deutlicher ihre Verlassenheit und die Kälte Europas. Und das nicht nur im Winter, wenn die Sonne tief steht und ihre langen Schatten wirft.

Aber auch weltweit sind die Schatten länger, dunkler und bedrohlicher geworden. Viele Menschen verspüren zunehmend immer mehr Ängste. Ob im persönlichen Leben, im Beruf und der Familie oder in der Gesellschaft. Sie haben das Gefühl, im eigenen Land nicht mehr sicher zu sein. Terroristische Akten und Gewalttaten nehmen auch in unserem Land zu. Ihre Auswirkungen werden noch durch die ständige Präsenz in den Medien erheblich verstärkt. Da helfen auch nicht die Beteuerungen der kriminologischen Statistiken, die besagen,dass die Zahl der Gewaltdelikte in Deutschland rückläufig sei. Unsicherheit und Zweifel bleiben und wuchern weiter. Wo aber das Vertrauen schwindet, da legt sich Angst wie ein dunkler Schatten auf die Seele der Menschen. Das macht sie krank.

Unberechenbare Politiker in verschiedenen Ländern versuchen sich auf gefährlichste Weise durch ihr Machtgehabe in Wort und Tat hervor zu tun. Sie werfen dunkle Schatten auf ihre eigenen Völker und begünstigen ein Klima von Angst und Misstrauen. Zwischen den Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen wird Hass und Feindschaft geschürt. Diese unheimlichen und fremden Schatten reichen bis hinein in unser Land und wirken mehr als verstörend.

„Amerika first - das eigene Land zuerst“, dieses Wort grenzt andere Völker aus. Solche nationalen Egoismen zerstören das gute Verhältnis zwischen der „Alten und der Neuen Welt“. Ebenso wird in Europa durch den Brexit die mühsam gewachsene Union aufgekündigt und schwer beschädigt, gerade in Zeiten, wo die Geschlossenheit der Europäischen Union besonders gefordert ist. Populisten haben hier ein leichtes Spiel, denn sie versprechen den Menschen etwas, was sie selbst nicht erfüllen können und dafür keinerlei Verantwortung übernehmen. Damit stellen sie sich dermaßen ins Rampenlicht, sodass ihre verhängnisvollen Schatten übermäßig groß und mächtig erscheinen. Diese überdecken die Realität und verdunkeln die Zukunft der Völker.

„Schatten“ ist hier bereits mehrfach als Metapher gebraucht worden. Eingangs habe ich auf seine einladende und wohltuende Seite verwiesen. Dabei bietet er einen willkommenen Platz zum Ausruhen in der Hitze des Sommers. Dort finden Menschen einen Ort des Friedens und der Entspannung. Der „Schatten“ steht aber besonders bedrückend für die Negativerfahrungen der Menschen, für all das Dunkle und Bedrohliche, wie auch schon im Text an Beispielen aufgezeigt wurde.

Wie aber ist mit dieser dunklen Seite umzugehen? Wir starren doch häufig wie gebannt gerade auf die düsteren Ereignisse im eigenen Leben und in der Welt. Diese Bad-News verdunkeln unsere Sicht und rauben uns sogar die Lebensfreude. Es ist deshalb schwer, eine allgemein gültige Antwort zu geben. Für mich ist ein afrikanisches Sprichwort sehr hilfreich geworden.  Es sagt: „Schau in die Sonne, dann fällt dein Schatten hinter dich“. 

Dieses Wort ist wie ein Haltegriff im Leben, es hilft einem, sich nicht ständig herunter ziehen zu lassen und nur noch dunkle Schatten zu sehen und sich zu ängstigen. Schau in die Sonne, auf das österliche Licht und lass deinen Schatten hinter dir. Sieh nicht zuerst das Dunkel, sondern schau auf all das Schöne und Helle im Leben. Die Sonne scheint doch für alle, und je höher sie steigt, umso kürzer werden die Schatten.



Sonntag, 2. April 2017



 Wer ist glücklicher?

In den letzten Tagen, genau gesagt, am 20. März, dem internationalen Welt-Glückstag, ist der „Welt-Glücks-Bericht 2017“ ver-öffentlicht worden. Um zu einem solchen Ergebnis zu kommen, werden seit 2012 jährlich jeweils über 3000 Menschen in 155 Ländern zu bestimmten Bereichen ihres Lebens befragt. Dabei geht es um ihr Einkommen und das Auskommen damit, ebenso werden die Arbeitsbedingungen beleuchtet, auf die Gesundheit und die Gesundheitsversorgung wird geschaut, wie viel Freiheiten der einzelne in dem jeweiligen Land hat, spielt ebenso eine große Rolle, natürlich wird sehr genau die politische Situation beobachtet und viele andere Bereiche des täglichen Lebens betrachtet und hinterfragt. Durch die Analyse der unterschiedlichsten Antworten der Befragten und durch die Bündelung dieser Aussagen zur weiteren Errechnung von vergleichbaren Durch-schnittsergebnissen, kommen die Sozialwissenschaftler am Ende zu einem sogenannten repräsentativen Ergebnis.

In diesem Jahr überraschten uns die Wissenschaftler mit ihrem Ranking in der UN-Studie, oder auch nicht, dass Norwegen das glücklichste Land der Welt sei. Platz 1 für Norwegen. Tolles Ergebnis, tolle Menschen! Aber wo steht eigentlich Deutschland auf dieser Rangliste? Kaum war das bekannt, da gab es auch gleich wieder Kritik: „Deutschland, nur auf Platz 16?“  Kann das denn sein?

Mag man von dieser Glücks-Forschung halten, was man will, was aber heißt denn da „nur Platz 16“? Mit dieser missmutigen Haltung ist es dann doch mehr als verwunderlich, dass die Deutschen immer noch unter den ersten zwanzig Ländern rangieren. Immerhin waren doch 155 Länder bei dieser Studie weltweit im Fokus der Wissenschaftler. Also liegen weit über hundert andere Länder auf den Plätzen hinter Deutschland. Wie unglücklich müssen denn diese Menschen erst sein?

Vielleicht sind die Menschen in anderen Ländern aber auch viel glücklicher und vor allem zufriedener, als die Forscher meinen? Gibt es wirklich glückliche und weniger glückliche Länder? Oder sind es nicht vielmehr immer die Menschen, die an verschiedenen Orten und zu bestimmten Zeiten leben, die einmal mehr oder weniger glücklich sind? 

Für mich wird dabei noch einmal ganz deutlich, dass sich das Glück der Menschen nicht allein an den materiellen und politischen Verhältnissen bemessen lässt. Sagt doch schon der Volksmund: „Geld macht nicht glücklich!“ „Aber es beruhigt“, fügt sofort der Schelm hinzu. Doch stimmt das? Ist es nicht eher so, dass die Angst wächst, das Geld schnell wieder zu verlieren? Jeder Besitz muss besonders gesichert und verwahrt werden. Das bereitet natürlich Sorgen und schafft so manch schlaflose Nacht. Nicht alles, was jemand hat, kann er heute noch  offen zeigen und sich damit schmücken, denn der Neid hat stark zugenommen und so eine regelrechte Neid-Debatte ausgelöst. Darin erhitzen sich zunehmend die Gemüter der Zeitgenossen.

Das Glück kann man nicht kaufen und es auch nicht selber machen. Es wird einem geschenkt, oder auch nicht. Wer es aber erlebt, der kann es oft selbst nicht fassen und schon gar nicht mit Worten beschreiben. Es ist einfach da, unbeschreiblich schön. Oft sind es zwar nur kurze Glücksmomente, kurze Augenblicke, die schnell wieder vergehen, aber sie sind dennoch ganz und gar real. Wie kann also jemand von außen dieses Glück eigentlich messen und bewerten? Keine Rangliste eines sogenannten „Glücks-Reports“ kann darüber wirklich etwas Substantielles aussagen. Glück ist und bleibt ein sehr persönliches Gefühl und ein sehr flüchtiger Zustand im Leben des Menschen.

Das Glück ist oft schillernd, zart und zerbrechlich wie eine Seifenblase. Auch sie kann ich nicht festhalten. Ich würde sie sogleich zerstören. Solange sie durch die Luft schwebt, kann ich mich aber an ihrer Schönheit erfreuen. Worüber Menschen glücklich sind, das ist so unterschiedlich, wie jeder Mensch einzigartig ist. Da freut sich der eine und ist glücklich, weil er im Spiel gewonnen hat. Ein anderer dagegen freut sich, wenn sein Nachbar, den er so gar nicht leiden kann, das Spiel verliert und unglücklich ist. Was ist nun eigentlich Glück? Woran ist es erkennbar? Was braucht der Mensch zu seinem Glück?

Für jeden Menschen hat das Glück ein anderes Gesicht. Mal ist es das Gesicht eines lieben Menschen, der mich anschaut, der mich liebt und mir nah ist. Mal ist es der Freund, dem ich wichtig bin, der mich so annimmt, wie ich bin. Jemand der einfach da ist, wenn er gebraucht wird. Diese Momente der Nähe erfahre ich dann als beglückend und befreiend. Es ist wohl diese Übereinstimmung mit anderen Menschen, mit der Natur und letztlich auch mit mir selbst, die das Glück in unserem Inneren wachsen lässt. Es muss also sehr vieles im Leben zusammenspielen und harmonieren, damit ein Mensch das Glück, sein Glück, als solches selbst verspürt. Oft nur für einen Moment, aber dann kommt es aus der tiefsten Tiefe seines Seins. Dann ist es einfach da und der Mensch ist "im Glück". Solches Glück ist immer das unerwartete Geschenk eines Anderen!

Dieses Glück lässt sich doch nicht messen und in einem Ranking  statistisch erfassen. Schon gar nicht kann es mit dem Glück anderer Menschen verglichen werden. Das wäre immer ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, ein Vergleich zwischen zwei Ungleichen. Zudem machen Vergleiche erfahrungsgemäß die Menschen eher unzufrieden und nicht glücklich. Deshalb kann auch kein Wissenschaftler auf der ganzen Welt wirklich sagen, welches Land und welche Menschen am glücklichsten sind. Es stimmt zwar, nicht alle Menschen auf der Welt haben immer und überall die gleiche Situation in ihrem Leben, aber sind die einen deshalb auch gleich glücklicher und andere unglücklicher? Genau das bezweifle ich sehr stark.

Ist es deshalb nicht müssig, dem vermeintlichen Glück hinterherzujagen, auf das große Glück zu warten und dabei die geschenkten Glücksmomente zu verpassen?



Freitag, 17. März 2017


Alles muss raus!

So tönt es lautstark aus den Lautsprechern im Kaufhaus. Zudem  springt uns dieser Satz überdimensional groß von den Plakatwänden förmlich an. Immer wenn eine neue Kollektion ins Haus steht, dann werden die Regale und Lager geräumt. Wenn Neues kommt, muss das Alte raus.

Alles muss raus! Okay, aber nicht immer und überall. Doch Vieles muss raus, kann raus, wenn Veränderungen anstehen. Genau dann merken wir nämlich, dass sich unsere Keller und Dachböden, die Schuppen und Schränke angefüllt haben mit Dingen, die wir nie wieder benutzt oder gar gebraucht hätten.

Ein im Sommer anstehender Umzug aus der Wohnung nach unglaublichen 58 Jahren, war jetzt der Anlass, zuerst einmal den Keller und den Schuppen im Garten auszuräumen. Zu viert haben wir innerhalb von knapp zwei Stunden einen ganzen Container mit Gerümpel beladen. Und das ist längst noch nicht alles. Man glaubt es kaum, was sich so im Laufe der Jahre angesammelt hat.

Bevor der Container kam, wurde aber noch einmal aussortiert, denn wie gesagt, nicht alles muss raus, aber Vieles kann weg. Da kamen nach langer Zeit noch so manche schöne Dinge wieder ans Tageslicht, Dinge mit Erinnerungswert, aber auch Dinge und Sachen, die schon längst als verloren galten. Viele Dinge, die zwar nicht mehr zu gebrauchen waren, von denen man sich aber nicht trennen konnte. Sie alle landeten im Keller oder im Schuppen und fristeten dort ein vergessenes Dasein.

Ich bin sicher, jeder von uns hat solche Räume, Schränke, Regale und Kisten, in denen verborgene Schätze, aber eben auch überwiegend unnötige Kleidung, Bücher und andere Dinge lagern. Langsam wird es dann immer enger. Für Neues ist kaum noch Platz. Ähnlich ist es in der digitalen Welt. Die Festplatten quellen schon bald über von Unmengen an Datenmüll. Die Speicher müssen immer größer werden. Was ist davon wirklich wichtig? Da heißt es dann logischer Weisen: „Vieles muss raus“. 

Doch wenn es uns schon so schwer fällt, uns von ausgedienten Gegenständen und zu eng gewordener Kleidung, also von rein materiellen Dingen zu trennen, wie sieht es dann erst mit unseren inneren Einstellungen und Haltungen aus? Auch da sollte wohl jeder Mensch von Zeit zu Zeit einmal aufräumen und aussortieren. Vorgefaste Meinungen über einen anderen Menschen blockieren dort zum Beispiel seit langem mein Denken. „Der andere ist eben so, basta!“ Solche festgelegte Haltung lässt dann auch keine Änderung mehr zu. Eine einmal gemachte schlechte Erfahrung in einer konkreten Situation wird pauschal auf alle anderen angewendet. Für neue Sichtweisen bleibt da kein Raum. Alles, was uns blockiert, muss deshalb dringend raus. Sonst nimmt allmählich unser ganzes Leben einen „dumpfen Kellergeruch“ an, der schier unerträglich ist.

Muss es denn immer erst eine menschliche "Grenzerfahrung" sein, die uns zum Nachdenken bringt. Nein, wenn das buchstäbliche Ausräumen von unbrauchbaren und schlechten Gedanken, Vorstellungen und besonders von lang gehegten Vorurteilen so wichtig ist, dann ist es jetzt an der Zeit, etwas für sich zu tun.

Die Franzosen nennen das „Revision de vie“, eine Lebensüberprüfung. Dabei wird aber nicht nur ausgeräumt und entrümpelt, sonder dabei wird wieder ganz viel Wertvolles zu Tage gebracht, da gibt es sicher bei jedem einzelnen von uns versteckte Fähigkeiten und Talente, gute Erinnerungen und viele Gründe zum Danken, das alles schlummert aber ungenutzt in uns. Diese Schätze können neu zum Tragen kommen und sie werden anderen Menschen gut tun. Der Blick auf unser Leben und auf das unserer Mitmenschen, der oft durch  solche sperrige Haltungen und tief sitzende Vorurteile verstellt ist, wird nun wieder frei. Nicht nur wir schauen mit neuen Augen in die Welt, sondern auch wir selbst werden ganz anders wahrgenommen und neu erlebt. Das macht froh und frei.

Warum also noch länger warten? Wir müssen nicht extra einen Container bestellen, aber wir sollten uns dafür etwas Zeit nehmen und uns ernsthaft fragen, was wirklich Wert und Bestand in unserem Leben hat und was ist eher hinderlich? Was schleppen wir an Ballast mit uns herum? Natürlich, nicht alles muss raus, aber vieles kann und sollte endlich raus, damit für das wirklich Wichtige, Bleibende und Wertvolle Platz wird.


Freitag, 6. Januar 2017


Weihnachten – war da nicht noch was?

Wenn die letzten Geschenke ausgepackt sind, der Gänsebraten und die Klöße schwer im Magen liegen und der Ruf nach einem Magenbitter laut wird, dann ist Weihnachten.  Da müssen auch noch ganze Berge von Plätzchen und anderen Süßigkeiten vertilgt werden, komme was da kommen mag. Selbstverständlich steht auch schon die leckere Apfelsinentorte  auf der Kaffeetafel bereit. Ohne sie und ohne die legendäre Zitronencreme als Dessert, wäre ja Weihnacht sowieso kein richtiges Weihnachten. Oder?

Und ist es nicht schön, einmal Zeit zu haben? Na ja, Zeit, die sich schon einmal etwas zähe und träge zwischen den Mahlzeiten an diesen freien Tagen hinzieht. Aber Hauptsache, die Familie sitzt zusammen und Oma erzählt von früher. Für die Enkel eher eine ferne Zeit und eine ziemlich fremde Welt, die da auftaucht. Eben Omas Welt. Auch wenn sich manches bei den Erzählungen wiederholt, so gehören sie doch zum Fest, wie „Sissi“, „Der kleine Lord“ oder „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Eben die Klassiker.

Und wieder mal typisch, auch das Wetter ist gar nicht weihnachtlich. Was das auch immer heißen mag? Jedenfalls ist es nicht so, wie man es sich in unseren Breiten wünscht. Kein Schnee, keine klare winterliche Luft, dafür stürmt es  und ist nasskalt. Da zieht es keinen so richtig nach draußen. Obwohl gerade ein paar Schritte in freier Natur dem Bauch recht gut täten und der Kopf durchlüftet und wieder frei für neue Gedanken würde.

Doch der Weihnachtsmarathon geht unerbittlich weiter. Koste es, was es wolle. Apropos, der Blick ins Portmonee ist jetzt besser kein Thema. Schließlich ist nur einmal Weihnachten im Jahr. Wein, Sekt und Glühwein stehen bereit und dürfen auf keinen Fall fehlen. Dazu noch allerlei süße Plätzchen und Nüsse, die so ganz nebenbei verzehrt werden und den Blutzuckerwert auf ein Weihnachtshoch schnellen lassen. Macht ja nichts, der sinkt schon wieder, genau wie die Stimmung. Die kann nämlich ganz schnell mal kippen bei  allzu großen Erwartungen nach Harmonie und Nähe und das auf engstem Raum.

Nun mal ehrlich, nach drei solchen Tagen, ist das auch verständlich. Wie schon Goethe sagte: „Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen“. Da sehnt sich doch fast jeder nach etwas Weniger von allem und das ist bekanntlich oft mehr und natürlich viel gesünder für den armen Magen. 

Nun liegen die Weihnachtstage schon wieder hinter den gestressten Menschen und in der Zeit zwischen den Jahren hat so mancher wohl gedacht: „Gott sei Dank, das haben wir mal wieder geschafft!“ Das neue Jahr hat begonnen. Aber vorbei ist Weihnachten nicht wirklich, denn die Zeit nach Weihnachten ist schon wieder die Zeit vor Weihnachten. Und für viele Zeitgenossen, die noch nicht genug haben von Glühwein, Plätzchen und Bratwurst, bleiben ja die Weihnachtsmärkte noch geöffnet, auch wenn sie jetzt „Wintermarkt“ heißen. Der Duft von Glühwein und Bratfett ist aber doch der gleiche.

Ja, Weihnachten – war da nicht noch was? Etwas ganz anderes? Was war das nur? Über die Jahre und Jahrzehnte hinweg ist der Sinn von Weihnachten bei einer großen Mehrheit der Menschen allmählich geschwunden oder hat zumindest seine ursprüngliche Bedeutung weithin verloren. An seine Stelle ist vielfach eine Veräußerlichung des Weihnachtsfestes und vor allem die Kommerzialisierung getreten. Doch das Weihnachtsgeschäft möchte der Handel auf keinen Fall missen.

Ein Fest, ein wirkliches Fest sollte es doch sein. Ein Fest der Freude und des Friedens in Ruhe und ohne Stress.  Die Alten wissen es noch und manche Junge ahnen es vielleicht, dass die Menschen vor zweitausend Jahren beschenkt worden sind. Man erzählt sich, dass die wahre Lieb zur Welt gekommen sei. Sie hat Hand und Fuß bekommen. Sie ist wie ein Licht in der Dunkelheit.  Sie gibt den Menschen Hoffnung und Kraft. Die Geburt Christi ist also der wahre Grund des Christfestes, wie es mancherorts noch heißt. Wer dieser seiner Liebe begegnet und sich von ihr leiten lässt,  der wird vom Beschenkten selbst zum Schenkenden. 

Dann ist Weihnachten. Die Geschenke müssen dann keine teuren, aufwändig in Hochglanzpapier verpackten, Geschenke sein, die oft nur die  anderen beeindrucken sollen. Es werden Geschenke sein, die von Herzen kommen, die dem anderen zeigen, du bist mir wichtig. Diese Geschenke liegen nicht zuhauf unter dem Weihnachtsbaum, aber sie erfüllen jeden Raum. Sie sind nämlich genau das, was jeder einzelne Menschen zum Leben braucht: Anerkennung, Aufmerksamkeit, Barmherzigkeit, Begegnung und Mitgefühl, Annahme und Empathie, Ehrlichkeit, gute Worte, die keine ungedeckten Schecks sind, Zuwendung ohne jede Berechnung und Heuchelei, Zeit ohne heimlichen Blick auf die Uhr, Gedanken des Wohlwollens, es werden erlebnisreiche Augenblicke sein und stille Momente in Harmonie und innerem Frieden. Das wird ein Fest sein!

Deshalb sind auch der Phantasie keine Grenzen gesetzt und ehrlich, dann müssen wir nicht erst auf Weihnachten warten. Schenken und beschenkt werden, öffnen die Hände und die Herzen der Menschen. Ja, da war doch noch was! Und da geht noch mehr!

 

Sonntag, 4. Dezember 2016


„Dann bin ich ganz glücklich…“

Freitagabend. Kurz noch in den Back-Shop. Schnell ein leckeres Cranberry-Walnuss-Brot erstanden und ein paar Brötchen. Beim Einpacken höre ich hinter mir die Bestellung einer älteren Dame: „Kann ich bitte auch ein halbes Cranberry-Walnuss-Brot bekommen?“ „Selbstverständlich, gern“, antwortet der Verkäufer freundlich. „Wenn Sie mir dann noch drei Scheiben davon abschneiden könnten, dann bin ich ganz glücklich“ meinte die Kundin noch.  Als ich mich nach ihr umschaute, sah ich in ihr glücklich lächelndes Gesicht. Das tat richtig gut.

Wie wenig doch zum glücklich sein genügt? Daran musste ich dann beim Abendessen wieder denken. Ein knackiger Salat und dazu eine Scheibe von dem köstlichen Cranberry-Walnuss-Brot mit Butter. Ein wahrer Genuss. „Es muss nicht immer Kaviar sein“, wie schon Mario Simmel vor vielen Jahren einen seiner Romane betitelte. Damit hatte er doch wirklich recht. 

Wie kommt es bloß, dass gerade in diesen Tagen und Wochen der Vorweihnachtszeit die Menschen meinen, sie müssten immer größere und teurere Geschenke zum Weihnachtsfest kaufen? Dabei werden doch nur die Geldbörsen und Bankkonten über alle Maße strapaziert. „Ach, es ist doch nur einmal Weihnachten im Jahr“, heißt es dann ganz schnell. Damit beruhigt sich jeder wieder selbst. Je höher der Einsatz, je größer der Gewinn.

In diesen Wochen kramt so mancher in seiner Erinnerung nach oder er hat es sich sogar notiert, was er im letzten Jahr den anderen geschenkt hat und besonders, was er im Gegenzug bekommen hat. Es darf ja auf keinen Fall jemand vergessen werden oder nur ein unscheinbares Präsent bekommen. Ein gutes und spannendes Buch, das einem selbst gefallen hat und das dem anderen sicher auch Freude machen würde, reicht da schon längst nicht mehr aus. Neueste Elektronik, teure Designerklamotten, exquisite Delikatessen, alles vom Feinsten, die Messlatte wird von Jahr zu Jahr höher gelegt. Man will sich ja nicht lumpen lassen und vor allem keinem etwas schuldig bleiben. Das große Geschenke-Spiel: "Das schenk ich Dir - was schenkst Du mir?" läuft wieder auf Hochtouren. "Alle Jahre wieder...."

Ob sich dann am Weihnachtsfest tatsächlich jeder über all die sündhaft teuren Geschenke auf dem Gabentisch freuen wird, das bleibt letztendlich abzuwarten. Können denn diese Geschenke, hinter denen solche und ähnliche Überlegungen stehen, die anderen wirklich glücklicher machen? Potenziert sich etwa das Glück automatisch mit dem Preis oder der Menge und Größe der Geschenke? Diesem Trugschluss erliegen immer noch viele Menschen und meinen ernsthaft, wenn sie dieses oder jenes endlich hätten oder bekämen, dann wären sie glücklich.

Genau das stimmt aber eben nicht, denn Glück hat nichts mit Besitz zu tun. Jemand hat einmal gesagt: „Reich ist der Mensch, der arm an Wünschen ist.“ Wer also wunschlos ist, ist glücklich. Wer es schafft, sich dem ständigen Streben nach immer mehr und größeren materiellen Dingen bewusst zu entziehen, der wird nicht unglücklich, sondern der wird die kleinen Dinge im Leben als wahre Geschenke schätzen und sich freier und glücklicher fühlen. Sein Sinnen und Trachten ist nicht mehr so sehr vom ständigen "Habenwollen" bestimmt. Das ist genau so, als ob eine Last von seinen Schultern genommen würde. Warum sollten wir einander nicht diese Freiheit schenken?

Die Kundin im Back-Shop sah nicht gerade danach aus, als ob sie alle materiellen Reichtümer dieser Welt besitzen würde. Doch sie strahlte eine Ruhe und Zufriedenheit aus, und genau das, war ihr Reichtum. Nun brauchte sie nur noch ein halbes Brot und dann war sie wirklich glücklich.