Samstag, 6. August 2016


Ein ruhiger Sommertag

Ein herrlicher Sommertag, nicht zu warm aber sonnig. Nach dem Frühstück auf dem Balkon mit frischen Brötchen, Marmelade und duftendem Kaffee, streckte ich mich wohlig aus und machte Pläne für diesen geschenkten Tag, der so friedlich und ruhig begonnen hatte. Selbst der Lärm von der Straße ist in den Sommerferien geringer als im  geschäftige Alltagsleben. Das lädt zum längeren Verweilen im Freien ein. Kurz um, das Leben ist doch schön!

Dann aber machte ich einen gewaltigen Fehler. Ich schaute auf mein Smartphone, um nur kurz meine Mails zu checken und die neuesten Nachrichten zu lesen. Und da war sie wieder die grausame Wirklichkeit. Der Traum von einem friedlichen Sommertag war augenblicklich geplatzt. Die News, wie es heute heißt, schlugen mir buchstäblich mit harter Faust ins Gesicht. Es waren die knallharten „Schlagzeilen“, die wohl keinen Leser unberührt lassen. Dazu auch gleich die selbstgerechten bissigen Kommentare von allen Seiten.  

Zwar sind wir in diesem Sommer schon an viele Schreckensmeldungen gewöhnt, denn täglich hören und sehen wir von Terror, Mord und Krieg. Die Namen der Orte werden schnell zu Pseudonymen für diese schrecklichsten Verbrechen. Wenn wir von Afghanistan, dem Irak oder Syrien hören, stehen uns sofort die Bilder von grausamen Bombenanschlägen, Massakern und Flüchtlingsströmen vor Augen. Ortsnamen wie Paris, Nizza und Saint-Etienne-du-Rouvray lassen uns erschauern angesichts der dort verübten Gräuel. So viele Morde an unschuldigen Menschen, so viel Leid!

Lange Zeit waren die Orte des Schreckens noch so weit weg von Deutschland und von uns. Jetzt hören wir die Namen von Städten wie Ansbach, München und Würzburg. Der Terror geht weiter und er kommt näher. Eine Nachrichtensendung und ein „Brennpunkt“ nach dem anderen berichten pausenlos und liefern Berichte über Details, die noch reine Spekulation sind. Manchmal kann ich es nicht mehr mit anhören. Wem nützt dieses sensationslüsternde Gehabe und Gerede? Eine Falschmeldung jagt die andere. Weiß denn heute keiner mehr, dass jemand, der nichts Neues beizusteuern hat, doch lieber den Mund halten sollte? Auch wird eine Meldung nicht dadurch richtiger, je häufiger sie wiederholt wird.

Es hätte so ein schöner, ruhiger Sommertag werden können. Doch wir leben in unruhigen Zeiten. Brennende Fragen nach dem – „wie weiter?“ – beschäftigen die Menschen. Je mehr wir lesen und hören und die vielen schrecklichen Bilder sehen, je weniger können  wir in dieser Flut erkennen, was eine seriöse Information und was blanke Meinungsmache ist? 

Ich weiß, dass es keine Lösung ist, den Kopf buchstäblich in den Sand zu stecken, sprich sich den News total zu verweigern. Ich weiß aber auch und spüre es ganz deutlich, zu viel davon tut mir nicht gut. Das macht mich selbst parteiisch und ungerecht, traurig und zugleich böse. Aber ich will mich nicht in diesen Teufelskreis von Halbwahrheiten und Lüge, von Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit, von blankem Hass und Unmenschlichkeit hineinziehen lassen. Nein das bin ich nicht. Nein, das sind auch viele andere Menschen nicht. Keinem tut es nämlich auf Dauer gut, ständig mit Negativmeldungen, Brandmarkungen und einer  Fixierung auf einseitig ausgewählte Reizthemen bombardiert zu werden. Es führt zu negativen Denken und Handeln.

Trotzdem bleibe ich auch zukünftig kritisch interessiert, aber eine gewisse Askese (Verzicht auf mediale Dauerberieselung) hilft mir, nicht nur die Schattenseiten des Lebens als einzige Wirklichkeit wahrzunehmen zu müssen, sondern mich wieder über das Gute und Schöne auf dieser Erde zu freuen und einen sonnigen Sommertag ohne schlechtes Gewissen zu genießen.