Sonntag, 2. April 2017



 Wer ist glücklicher?

In den letzten Tagen, genau gesagt, am 20. März, dem internationalen Welt-Glückstag, ist der „Welt-Glücks-Bericht 2017“ ver-öffentlicht worden. Um zu einem solchen Ergebnis zu kommen, werden seit 2012 jährlich jeweils über 3000 Menschen in 155 Ländern zu bestimmten Bereichen ihres Lebens befragt. Dabei geht es um ihr Einkommen und das Auskommen damit, ebenso werden die Arbeitsbedingungen beleuchtet, auf die Gesundheit und die Gesundheitsversorgung wird geschaut, wie viel Freiheiten der einzelne in dem jeweiligen Land hat, spielt ebenso eine große Rolle, natürlich wird sehr genau die politische Situation beobachtet und viele andere Bereiche des täglichen Lebens betrachtet und hinterfragt. Durch die Analyse der unterschiedlichsten Antworten der Befragten und durch die Bündelung dieser Aussagen zur weiteren Errechnung von vergleichbaren Durch-schnittsergebnissen, kommen die Sozialwissenschaftler am Ende zu einem sogenannten repräsentativen Ergebnis.

In diesem Jahr überraschten uns die Wissenschaftler mit ihrem Ranking in der UN-Studie, oder auch nicht, dass Norwegen das glücklichste Land der Welt sei. Platz 1 für Norwegen. Tolles Ergebnis, tolle Menschen! Aber wo steht eigentlich Deutschland auf dieser Rangliste? Kaum war das bekannt, da gab es auch gleich wieder Kritik: „Deutschland, nur auf Platz 16?“  Kann das denn sein?

Mag man von dieser Glücks-Forschung halten, was man will, was aber heißt denn da „nur Platz 16“? Mit dieser missmutigen Haltung ist es dann doch mehr als verwunderlich, dass die Deutschen immer noch unter den ersten zwanzig Ländern rangieren. Immerhin waren doch 155 Länder bei dieser Studie weltweit im Fokus der Wissenschaftler. Also liegen weit über hundert andere Länder auf den Plätzen hinter Deutschland. Wie unglücklich müssen denn diese Menschen erst sein?

Vielleicht sind die Menschen in anderen Ländern aber auch viel glücklicher und vor allem zufriedener, als die Forscher meinen? Gibt es wirklich glückliche und weniger glückliche Länder? Oder sind es nicht vielmehr immer die Menschen, die an verschiedenen Orten und zu bestimmten Zeiten leben, die einmal mehr oder weniger glücklich sind? 

Für mich wird dabei noch einmal ganz deutlich, dass sich das Glück der Menschen nicht allein an den materiellen und politischen Verhältnissen bemessen lässt. Sagt doch schon der Volksmund: „Geld macht nicht glücklich!“ „Aber es beruhigt“, fügt sofort der Schelm hinzu. Doch stimmt das? Ist es nicht eher so, dass die Angst wächst, das Geld schnell wieder zu verlieren? Jeder Besitz muss besonders gesichert und verwahrt werden. Das bereitet natürlich Sorgen und schafft so manch schlaflose Nacht. Nicht alles, was jemand hat, kann er heute noch  offen zeigen und sich damit schmücken, denn der Neid hat stark zugenommen und so eine regelrechte Neid-Debatte ausgelöst. Darin erhitzen sich zunehmend die Gemüter der Zeitgenossen.

Das Glück kann man nicht kaufen und es auch nicht selber machen. Es wird einem geschenkt, oder auch nicht. Wer es aber erlebt, der kann es oft selbst nicht fassen und schon gar nicht mit Worten beschreiben. Es ist einfach da, unbeschreiblich schön. Oft sind es zwar nur kurze Glücksmomente, kurze Augenblicke, die schnell wieder vergehen, aber sie sind dennoch ganz und gar real. Wie kann also jemand von außen dieses Glück eigentlich messen und bewerten? Keine Rangliste eines sogenannten „Glücks-Reports“ kann darüber wirklich etwas Substantielles aussagen. Glück ist und bleibt ein sehr persönliches Gefühl und ein sehr flüchtiger Zustand im Leben des Menschen.

Das Glück ist oft schillernd, zart und zerbrechlich wie eine Seifenblase. Auch sie kann ich nicht festhalten. Ich würde sie sogleich zerstören. Solange sie durch die Luft schwebt, kann ich mich aber an ihrer Schönheit erfreuen. Worüber Menschen glücklich sind, das ist so unterschiedlich, wie jeder Mensch einzigartig ist. Da freut sich der eine und ist glücklich, weil er im Spiel gewonnen hat. Ein anderer dagegen freut sich, wenn sein Nachbar, den er so gar nicht leiden kann, das Spiel verliert und unglücklich ist. Was ist nun eigentlich Glück? Woran ist es erkennbar? Was braucht der Mensch zu seinem Glück?

Für jeden Menschen hat das Glück ein anderes Gesicht. Mal ist es das Gesicht eines lieben Menschen, der mich anschaut, der mich liebt und mir nah ist. Mal ist es der Freund, dem ich wichtig bin, der mich so annimmt, wie ich bin. Jemand der einfach da ist, wenn er gebraucht wird. Diese Momente der Nähe erfahre ich dann als beglückend und befreiend. Es ist wohl diese Übereinstimmung mit anderen Menschen, mit der Natur und letztlich auch mit mir selbst, die das Glück in unserem Inneren wachsen lässt. Es muss also sehr vieles im Leben zusammenspielen und harmonieren, damit ein Mensch das Glück, sein Glück, als solches selbst verspürt. Oft nur für einen Moment, aber dann kommt es aus der tiefsten Tiefe seines Seins. Dann ist es einfach da und der Mensch ist "im Glück". Solches Glück ist immer das unerwartete Geschenk eines Anderen!

Dieses Glück lässt sich doch nicht messen und in einem Ranking  statistisch erfassen. Schon gar nicht kann es mit dem Glück anderer Menschen verglichen werden. Das wäre immer ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, ein Vergleich zwischen zwei Ungleichen. Zudem machen Vergleiche erfahrungsgemäß die Menschen eher unzufrieden und nicht glücklich. Deshalb kann auch kein Wissenschaftler auf der ganzen Welt wirklich sagen, welches Land und welche Menschen am glücklichsten sind. Es stimmt zwar, nicht alle Menschen auf der Welt haben immer und überall die gleiche Situation in ihrem Leben, aber sind die einen deshalb auch gleich glücklicher und andere unglücklicher? Genau das bezweifle ich sehr stark.

Ist es deshalb nicht müssig, dem vermeintlichen Glück hinterherzujagen, auf das große Glück zu warten und dabei die geschenkten Glücksmomente zu verpassen?