Donnerstag, 24. April 2014

Gebote – nein danke!

So denken und handeln heute wohl viele Menschen und das nicht nur, wenn sie das Parkverbot ignorieren oder andere Regeln ganz einfach verletzen. Gebote, Verbote und Vorschriften aller Art stehen nicht hoch im Kurs. Keiner möchte sich mehr etwas vorschreiben lassen. Die stark ausgeprägte Individualität lässt heute oft das Gemeinwohl in den Hintergrund treten. Deshalb werden in allen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens Regeln und andere Vorgaben als Einschränkung der persönlichen Freiheit angesehen. Es herrscht die verbreitete Meinung vor, dass kein Staat, keine Kirche oder eine sonstige Instanz das Recht hat, meine persönliche Freiheit einzuschränken.

Die Freiheit wird so zum höchsten und einzigen Gebote erklärt, welches über allen anderen steht. Deshalb lautet die Maxime: „Du sollst frei sein, Du sollst Dich selbst verwirklichen, Du sollst dein Leben in vollen Zügen genießen, du musst dich durchsetzen“. Diese Forderungen bestimmen nun zwanghaft das  persönliche und  das öffentliche Leben, sowie das Denken und Handeln jedes einzelnen Menschen. Dadurch entsteht ein regelrechter Zwang zu einer falsch verstandenen Freiheit: „Du sollst frei sein!“ Diese viel gerühmte Freiheit schwindet natürlich schnell dahin, wenn sich der Einzelne völlig frei gegen die vorgegebenen Meinungen und Trends stellt und so die Doktrin des Mainstream verletzt.

Wir rühmen uns zwar in diesem Land unserer Pressefreiheit, die ach so frei ist, dass nur noch zählt, was Auflagen bringt, aber sie ist streckenweise völlig frei von jeglicher Wahrheit und gutem Geschmack. Im sogenannten freien Europa genießen wir die grenzenlose Freiheit und darüber können wir auch  froh sein. Der freie Markt erstreckt sich aber auch auf die dunklen Praktiken und Machenschaften mit all ihren Negativfolgen. Da floriert zum Beispiel der Handel mit Drogen, mit Waffen und mit Frauen bestens. Die Gewinne sind enorm, der Schaden für das Ganze aber auch. Es ist doch einleuchtend, dass dort wo Grenzen fallen, Vorschriften und Gebote nicht mehr für voll genommen werden, der Missbrauch der Freiheit rasant ansteigt.
Täglich hören wir in den Medien von Gewalt, Betrug, Datenklau im Internet, Korruption, Wirtschafts- und Umweltkriminalität, Mord und Totschlag. Ist das der Preis der Freiheit, die doch alle wünschen? Das macht auch Angst. Wer zahlt den Preis für eine solch „grenzenlose“ Freiheit? Was ist das denn für eine Freiheit, wenn jeder meint, er könne machen, was er will? Nach dem Motto: Gebote, nein danke!

Da lässt die Gegenreaktion natürlich nicht lange auf sich warten: Freiheit, nein danke! Der  Ruf nach Recht und Ordnung wird schnell laut und lauter. Aber was wird das für ein Recht sein? Wir erleben es immer wieder neu. Es finden sich schnell Mächte, die bereit sind, die Ordnung mit Gewalt durchzusetzen und natürlich vor allem ihr Recht und ihre Ordnung zu etablieren!

Bekanntlich endet  die Freiheit immer dort, wo sie die Freiheit anderer antastet und verletzt. Das geschieht immer wieder und dabei werden die Freiheit und die Rechte der Menschen mit Füßen getreten. Manches  sogar getarnt unter dem Deckmantel der Freiheit. Bekanntlich trifft  es immer die Schwächsten. Wo aber Recht und Ordnung aus einer Willkür von einzelnen Menschen erwachsen, da wird es  keine echte Freiheit geben.

Der Slogan: „Gebote, nein danke“ ist deshalb genauso falsch, wie der Ausruf: „Freiheit, nein danke“ ein gravierender Irrtum ist, der sich schon bald rächen wird. Und noch eins zum Schluss: Es gibt keine Freiheit ohne Bindung und Verbindlichkeit.