Freitag, 11. April 2014

Mensch und Tier

 „Schau doch mal, so ein elender Klepper“, die Fotoapparate klicken, die Kameras summen, „der bricht doch bald zusammen, das ist ja Tierquälerei.“ Alle Blicke waren auf den klapprigen Gaul gerichtet, der so eine Art großes Rührwerk bewegen musste, indem er an einer langen Stange immer im Kreis herum trottete. Staub und Dreck bedeckten sein Fell. Hier in Paraguay in der Töpferstadt Tobati gibt es noch sehr viele solcher Manufakturen zur Ziegelherstellung. 

Alles noch echte Handarbeit. Körperlich schwere Arbeit, nicht nur für das Pferd, sondern auch und gerade für die Männer, die in der Hitze des Tages aus der braunschwarzen Tonmasse mittels einfacher Holzformen Ziegel herstellen und sie in der Sonne trocknen lassen. 

Den kleinen, drahtigen Mann im Hinter-grund vor einem Berg einer dunklen Tonmasse hatten wir erst gar nicht wahrgenommen. Sein T-Shirt war Schweiß getränkt und es bekam langsam die Farbe des grauen Tons. Der große Strohhut auf seinem Kopf sollte ihn ein wenig vor  der brennenden Sonne schützen. Er war es scheinbar gewöhnt, dass die Touristen stehen blieben,  um ihre Fotos zu schießen. Ob er wohl wusste, warum die Fremden ihre Bilder machten? Sicher nicht. Was gab es denn da schon besonders zu sehen? Für ihn und die anderen Arbeiter war es seine Arbeit. Harte, drückende Last und das Tag ein Tag aus. Er ließ sich schon lange nicht mehr aus der Ruhe bringen, auch heute nicht. Für ihn gab es keine Pause. Am Ende des Tages musste die Anzahl der geformten Ziegel stimmen, damit auch der Lohn stimmte. Die Familie wartete schon auf darauf

Was hatten die westlichen Touristen doch gleich gesagt? „Das arme Pferd!“ Das ging mir nicht mehr aus dem Kopf.  Darum frage: "Was ist dann eigentlich mit den Menschen, die sich unter solchen oder noch schlimmeren Arbeitsbedingungen täglich schinden müssen?"