Freitag, 13. Juni 2014

  Schreib mal wieder!

Wann haben Sie eigentlich den letzten Brief geschrieben? So richtig handgemacht und persönlich. Gehören Sie vielleicht auch zu den Menschen, die lieber zum Telefon greifen oder eine kurze SMS oder eine Mail schreiben, twittern oder auf Facebook ihren FB-Freunden mitteilen: „gefällt mir“? Sicher, warum soll man nicht die modernen Kommunikationsmittel unser Zeit nutzen? 

Aber! Der gute, alte handgeschriebene Brief hat doch noch immer etwas Besonderes. Telefonate sind oft sehr flüchtig. Zu viele Informationen auf einmal. „Was hat er eigentlich gesagt“, so fragen wir uns, nach- dem wir aufgelegt haben. In der Fülle der Fakten und Eindrücke, geht schnell einmal etwas verloren. Wir können gar nicht alles so schnell erfassen. Da kommt  schon wieder ein neuer Gedanke, der Redefluss nimmt kein Ende. Es will eben auch gelernt sein, zu telefonieren.

Oder kennen Sie das? Sie möchten Jemandem persönlich zum Geburtstag gratulieren. Sie haben einen kleinen Blumenstrauß mitgebracht. Die Freude über den überraschenden Besuch ist groß. Kaffee, Kuchen, ein Glas Sekt werden angeboten. Sie hatten gerade mal Zeit Ihre Gratulation loszuwerden. Auch die Blumen müssen noch in die Vase. Nun sitzen Sie eben und beginnen eine kleine Unterhaltung, da klingelt auch schon das Telefon. Das Geburtstagskind geht natürlich brav an den Apparat, der im Wohnzimmer steht. Sie werden nun ungewollt Mithörer der Gratulation. „Ach du bist es, Lieschen. Das ist aber schön, dass Du anrufst, aber ich muss jetzt Schluss machen, denn ich habe Besuch.“ Schnell wird noch ein Strich auf der Liste gemacht für den neuen Anruf. „Das war heute schon der 23. Anrufer. Seit dem frühen Morgen geht das nun schon so“. Und kaum aufgelegt, klingelt es auch schon wieder. Sie können sich denken, was kommt. Nach dem das etwa  zehnmal passiert ist, wird es Ihnen echt peinlich und zu viel. Ein Gespräch ist unmöglich. Ich habe mich in diesen Fällen immer sehr bald verabschiedet und mir vorgenommen, an einem anderen Tag meinen Besuch zu machen.

Über einen persönlichen Brief dagegen kann ich mich viel länger freuen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes etwas Handfestes und Beständiges. Ich halte ihn der Hand, er verströmt einen eigenen Duft, in aller Ruhe kann ich ihn lesen und das nicht nur einmal. Meine Gedanken sind nun ganz bei dem Schreiber. Seine geschriebenen Worte klingen in mir wider, sie lösen Emotionen aus: Freude, Anteilnahme, Glück.

Viel Wissenswertes aus dem Leben und Erleben der Menschen ist uns in historischen Briefen überliefert. Was Menschen in früheren Zeiten gedacht, geschrieben  und gefühlt haben, wird wieder ganz lebendig. Wahre Schätze sind manchmal in einem alten Pappkarton  mit  der Korrespondenz der Großeltern und Urgroßeltern zu finden. Ihr Leben und ihre Zeit werden darin in kleinen Geschichten für uns Heutige ganz lebendig. Stundenlang tauchen wir ein in eine längst vergangene Welt, die für uns so fern ist und uns doch so nahe kommt.

Das kann kein noch so langes Telefonat leisten. Keine SMS und keine flüchtige Mail. Darum: „Schreib mal wieder!“ Nein, nicht eine Rechnung, Mahnung oder einen anderen Geschäftsbrief. Das meine ich nicht. Nimm Dir Zeit und schreib einen Brief an einen lieben Menschen oder an einen, dem Du Dich vielleicht entfremdet hast. Briefe sind immer etwas ganz Persönliches. Sie sprechen das DU an. Der Brief ist wohl die beste und intensivste Form, die wahren Gefühle eines Menschen auszudrücken. Und diese sind es auch wert, bewahrt zu werden für lange Zeit. Briefe sind also wahre Schätze, die das Herz des Menschen treffen.

Und seid versichert: Die Spannung, einen Brief zu warten, und die Freude ihn dann aus dem Briefkasten zu nehmen, ist auf jeden Fall größer und schöner, als so nebenbei seine SMS und seine Mails zu checken!