Samstag, 13. September 2014


Alles im Doppelpack

Ist das nicht toll und super günstig? Zwei Paar Socken im Doppelpack und das alles zum gleichen Preis? Der Handel hat große Erfolge mit dieser Werbestrategie. Die Sonderangebote gehen weg wie warme Semmel. Doppelherz und Doppelkorn sind allseits beliebt. Wer lässt sich nicht gern von einer doppelten Gewinnchance beim Glücksspiel locken. Sofort gewinnen und zusätzlich an der Auslosung im Herbst teilnehmen! Die Rechnung geht deutlich auf. Zumal der alte Grundsatz gilt: Doppelt hält besser!

Stimmt das aber immer und überall? Dabei entzünden sich zum Beispiel immer wieder Diskussionen an einer doppelten Staatsbürgerschaft für Ausländer in unserem Land. Die einen verlangen sie generell für alle Einwanderer, andere meinen, es gehört zuerst die ernsthafte Entscheidung und ein Bekenntnis zu dem Land dazu, in dem sie leben wollen. Und ist denn gleich jeder, der dies in Frage stellt, ein reaktionärer Spielverderber? Staatsbürgerschaft ist doch schließlich kein Sonderangebot, das im Doppelpack billiger zu haben ist. Oder?

Für mich liegt bei dem vielen Aktionismus in  unserer Gesellschaft und den unendlichen Diskussionen darüber oft eine tiefere Haltung von größter Doppeldeutigkeit dahinter. Mir kommt es so vor, als ob die Kraft zur Eindeutigkeit verloren gegangen ist. Keiner möchte sich mehr festlegen und festgelegt werden. Das Ganze wird dann eben Flexibilität genannt. Dadurch wird die Berechenbarkeit und Verlässlichkeit in allen Bereichen unseres Lebens immer schwieriger. Was heute gilt, ist morgen längst Makulatur. Wo wir auch hinschauen, sind Doppelzüngigkeit, Doppelmoral und doppeltes Spiel an der Tagesordnung. So mancher scheint offenbar nur noch nur noch eine Rolle oder gar eine Doppelrolle zu spielen.

Diese wachsende Orientierungslosigkeit führt zur Verunsicherung der Menschen. Es wird heute zwar viel von Transparenz und vertrauensbildenden Maßnahmen geredet, aber zu wenig getan. Doppeldeutiges Reden und Handeln vergiftet zunehmend das Zusammenleben und lässt viele zu dem Schluss kommen, ohne Netz und doppelten Boden geht es wohl nur noch im Zirkus zu.

Da kommt mir noch ein ganz böser Gedanke, steckt vielleicht hinter dem häufigen „Doppelkopfspiel“ der Regierungen mit ihren Doppelspitzen und Doppelbeschlüssen die eindeutige Doppelstrategie, die schon die alten Römer kannten: „divide et impera – teile und herrsche“? Dann sollten wir alle aber doppelt wachsam sein und lieber zweimal hinhören, was hinter dem Doppelpunkt kommt und lesen, was im Kleingedruckten steht.

Oder sollte etwa doch der Satz stimmen, der in der Wendezeit an einer Mauer geschrieben stand: „Wir sind das Volk – wir sind ein Volk“ und jemand hatte dahinter geschrieben: „Wir sind ein dummes Volk!“   
                                                    

(Übrigens, die roten Socken sind nicht doppeldeutig gemeint!)