Dienstag, 22. Oktober 2013


Der Apfel, den keiner wollte



Es ist gewiss kein „Bilderbuchapfel“. Nein, schön ist dieser Apfel gerade nicht. Er hätte wohl kaum eine Chance im Regal des Supermarktes. Da muss alles „super“ sein. Die Farbe, die Form, der Geruch eben alles, was die Käufer zum sicheren Kauf animiert. Und man kann ja noch ein wenig nachhelfen und die Früchte ins rechte Licht setzen, sie in Augenhöhe postieren. Dazu die passende Werbung und schon ist alles perfekt, einfach super – super einfach!
Der Apfel auf dem Baum gehört ganz und gar nicht zu der bevorzugten Sorte. Zwar leuchtet er so schön rot im Licht der Herbstsonne, aber er hat ja diese  dunklen Flecken und das ist heute ein unverzeihlicher Makel. Wer will so etwas  schon haben? Den will doch keiner!
Wir alle kennen den Zwang zum perfekten Äußeren sehr genau. Wer heute nicht dem Schönheitsideal entspricht, der und noch viel mehr die hat  es sehr schwer. Möglichst makellos und schön sollen und wollen sie alle sein. Was wird dafür nicht alles getan. Schon ein kleiner Pickel oder eine Hautrötung lassen fast ihre Welt zusammen brechen. Das kommt einer mittleren Katastrophe gleich.
Der Grund für mich, gerade aber diesen Apfel zu fotografieren, war sein natürliches Aussehen, seine leuchtend rote Farbe und auch die dunklen Flecken, die ihn so einmalig machen. Er ist eben nicht perfekt. Ganz anders  die Exemplare im Regal im Supermarkt, wo einer wie der andere aussieht. Das sieht auf den ersten Blick vielleicht verlockend und schön aus, aber auf den zweiten Blich erkennt man diese Scheinwelt in ihrer ganzen Künstlichkeit. Es wirkt irgendwie langweilig, ja tot. 
Muss das nun unbedingt auch bei den Menschen so sein? Ist Originalität nicht wichtiger als Uniformität, die auch noch einen hohen, oft zu hohen Preis hat? Nicht jeder muss doch aussehen wie „Supermann“ und nicht jede wie eine „Barbie Puppe“. Jemand hat einmal gesagt: „Jeder Mensch wird als Original geboren, aber die meisten sterben als Kopie.“ Wer will denn das?
"Der Apfel, den keiner wollte", ist ganz gewiss ein Original und keine Kopie, wie die anderen Äpfel im Regal. Darum ist er auch etwas ganz besonderes.Das haben wohl auch die ersten Märkte gemerkt und bieten nun frisches Obst an, das nicht genormt ist und wie im Bilderbuch aussieht, aber desto besser schmeckt. 

Wann spricht sich das endlich auch bei uns herum? Haben wir endlich wieder Mut, wir selbst zu sein, Originale und keine Kopien.