Sonntag, 9. Februar 2014


Aufgeschnappt


Beim Einpacken der letzten Stücke meines Einkaufs an der Kasse im Supermarkt schnappte ich gerade noch diese Wortfetzen eines kurzen Gesprächs der Kassiererin mit einem jungen Vater auf: „Hab ich richtig verstanden? Ihr Kind heißt wirklich Mala?“ Als der Vater das stolz bejahte, kam wie aus der Pistole geschossen von der Frau an der Kasse: „So heißt mein Meerschweinchen auch!“ Ich sah nur noch den pikierten  Blick des Vaters.

Was tun Eltern ihren Kindern eigentlich oft mit den Vornamen an? Wobei Mala noch ganz süß klingt. Mala Müller-Stockhausen, das hat doch was. Abgesehen davon, dass „mala“ im Lateinischen „schlecht“ bedeutet. Aber wer spricht schon eine „tote Sprache“? Deshalb wissen viele auch nicht, was der römische Komödiendichter Plautus um 200 v. Chr. mit seinem Wort: "nomen est omen“ sagen will. Der Namen ist ein Zeichen. Er sagt etwas über seinen Träger aus. Namen gaben früher Auskunft über Stand und Herkunft des Bezeichneten.

Noch heute lassen sich bestimmte Namen einer gewissen Zeit und Auffassung der Eltern zuordnen. Wenn ein deutscher Mann z. B. Baldur heißt, kann man leicht schlussfolgern, dass seine Eltern sicher mehr als nur eine Vorliebe für nordische Namen hatten. Heißt eine Frau, die während der DDR-Zeit geboren wurde, Tamara, dann liegt es förmlich auf der Hand, dass eine gewisse Sympathie zum großen Bruder Sowjetunion bestand.
Den passenden Namen für ein Kind zu finden, der nicht nur zu einem kleinen und süßen Fratz passt, sondern der auch im Erwachsenenalter bestehen kann, ist gewiss nicht leicht. Ganze Hitlisten moderner und ausgefallener Namen findet man im Internet und in vielen Vornamensbüchern. Doch wer die Wahl hat, hat die Qual. Und Mancher greift schon mal daneben. „Aber Frau Grube, Sie werden ihr Kind doch nicht Klär nennen“. Exotisch und gerade angesagt ist noch keine Garantie für einen Namen, mit dem sich das Kind auch später wohlfühlt. Frau Schulze-Ungemach ruft auf dem Spielplatz ihre Tochter Carmen und ein kleines sommersprossiges Mädchen mit rotblonden Zöpfen kommt angerannt. Kein Name sollte eine lebenslange Bestrafung der Kinder für die Verirrungen ihrer Eltern sein.

Nach einer Studie  der Uni Oldenburg werden Schüler oft schon nach ihren Vornamen von den Lehrern eingestuft. Als leistungsschwach gelten: Mandy, Chantal oder Jacqueline bei den Mädchen und Justin und Dustin bei den Jungen. Wobei Kevin natürlich den „Vogel abschießt“. Eine Grundschullehrerin sagte dazu: „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose. Nach der Auswertung von rund 500 Fragebögen kam dabei heraus, dass Kinder mit den vorbenannten Namen als "verhaltensauffällig" oder "leistungsschwach" eingeschätzt werden. Dagegen werden Kinder mit den Namen: Charlotte, Sophie, Marie, Maximilian oder Simon für "freundlich" und "leistungsstark" gehalten.

Was von dieser Einschätzung auch immer zu halten ist und ob sie wirklich zutrifft oder auch nicht, so gilt wohl immer noch: "NOMEN EST OMEN"!