Donnerstag, 13. Februar 2014


                                   

Schneller – höher – weiter


Die Olympischen Spiele in Sotschi bestimmen zurzeit die Berichterstattung in den Medien. Es wird alles und jedes kommentiert und interpretiert. Dabei ist festzustellen, dass alles zwei Seiten hat, genau wie eine Medaille. Darum ist es auch ganz klar, dass beide Seiten das gleiche Geschehen völlig unterschiedlich, ja konträr beurteilen.

Für die einen sind es die größten, schönsten und teuersten Olympischen Spiele aller Zeiten, die Russland und seinem Präsidenten Ruhm und Anerkennung  in der ganzen Welt  einbringen werden. Für die anderen ist es die reinste ökologische Katastrophe und ein Eingriff in die Freiheitsrechte der dortigen Bewohner. Und überhaupt ist es in Russland schlecht bestellt um die Menschenrechte und besonders um die der Lesben und Schwulen. Das wiederum ist ein Grund für einige westliche Politiker, ihre Teilnahme aus Protest zu verweigern. Manche meinen gar, das darf man sich nicht mal ansehen. Andere wiederum sind gern dabei und haben die großartige Inszenierung der Eröffnungsfeier sichtlich genossen. Gemäß dem olympischen Gedanken: „Dabei sein ist alles“. Oder auch: Sehen und gesehen werden.

Und die, um die es eigentlich geht, die Sportler?  Für die Wintersportler gilt wie immer der Anspruch: schneller, höher, weiter! Topleistungen bis zum absoluten Limit. Wer diese aber nicht bringt, was ist mit dem? Wenn schon der Zweite im Ziel ein Verlieren ist und der vierte Platz gar nicht mehr genannt wird. Es können immer nur wenige auf dem „Treppchen“ stehen. So sind nun mal die Spielregeln. Wer aber spricht von den vielen Verlierern? Dabei sein ist alles, das zählt da schon lange nicht mehr.

Um mithalten zu können, werden deshalb alle Ressourcen eingesetzt. Auch diese Olympischen Spiele sind nicht frei von Doping. Experten schätzen, dass über die Hälfte der Teilnehmer wahrscheinlich gedopt sind und das so gekonnt, das jede Dopingkontrolle zur Farce wird. Es ist ein erbitterter Kampf um den Sieg und das mit allen Mitteln. Mit Freude am Spiel im wahrsten Sinne des Wortes hat das wohl nichts mehr zu tun.

Schneller, höher, weiter ist aber schon längst zum bestimmenden Leitwort für unsere heutige Gesellschaft geworden. Auch hier zählen nur noch die Leistungen der Menschen und das um jeden Preis. Ist der aber nicht zu hoch?