Mittwoch, 5. Februar 2014


Poller-Republik


In unseren Städten und Dörfern gehören sie längst zum alltäglichen Straßenbild, die Poller. Und es werden immer mehr. So richtig mag sie wohl keiner. Oft sind sie klein und unscheinbar, so dass mancher sie einfach beim Wenden oder beim Zurücksetzen mit dem PKW glatt übersehen hat. Eine zerkratzte oder zerbeulte Stoßstange ist das ärgerliche Ergebnis.

Warum stehen sie eigentlich überall auf den Plätzen, an Rasenflächen und Blumenbeeten, am Straßenrand und anderswo? Sie sind doch nicht schön anzusehen. Ob sie nun aus Holz, Metall oder Beton sind, sie sind einfach lästig. Doch was ist der Grund für ihr vermehrtes Auftreten? Wozu sollen sie denn gut sein?

Poller sind Begrenzungspfähle, die massiv deutlich machen, es gibt Grenzen, die nicht überschritten oder überfahren werden dürfen. Sie haben auch eine Schutzfunktion, aber vor allem eine Abwehrfunktion im öffentlichen Bereich. Dort wo Hinweis- und Verbotsschilder nichts mehr nutzen, da sollen Poller die Ordnung aufrechterhalten. Mit einem enormen finanziellen Aufwand soll hier etwas erreicht werden, was in einer zivilisierten Gesellschaft, eigentlich selbstverständlich sein sollte. Was ist da geschehen? Wussten frühere Generationen noch, „was man tut oder was man nicht tut“, so ist das heute nicht mehr selbstverständlich oder wird glatt weg abgelehnt. Hier ist das Blumenbeet, hier der Rasen, dort der Fußweg, da war es für jeden einfach klar, über das Beet läuft oder fährt man nicht! Das gehört sich nicht! Sagen Sie das aber einmal jemandem in unserer Zeit. Unmöglich! Deshalb müssen die Grünanlagen hermetisch mit dicken Pollern oder anderen massiven Sperranlagen gesichert werden, damit daraus keine wilden Parkplätze werde, da ja nicht für jeden direkt vor der eigenen Haustür eine Parkmöglichkeit besteht. Doch wie es unschwer zu erkennen ist, muss da wohl noch mehr aufgerüstet werden.

Viele Menschen lehnen heute Grenzen und jede Art von Beschränkungen oder Bevormundungen im Namen ihrer persönlichen Freiheit ab. Dieser falsch verstandene Freiheitsbegriff führt dazu, dass bald keiner mehr weiß, was richtig und falsch ist? Vor allem aber, wer will es denn überhaupt noch wissen? In unserer hoch gepriesenen pluralistischen Gesellschaft sind doch fast alle ethischen und moralischen Schranken aufgehoben. Alles ist erlaubt! Warum sollen Menschen dann plötzlich Einschränkungen akzeptieren, die sie und ihren Freiheitsdrang behindern. Wo vorwiegend nur noch das eigene Ich das Handeln bestimmt, ist das Sozialgefüge empfindlich gestört. Dann muss sich keiner mehr wundern, dass es so ist, wie es ist!

Da weithin in den Köpfen und den Herzen der heutigen Menschen die "Begrenzungspfähle“ fehlen, versagen aber auch die Poller aus Holz oder Beton