Sonntag, 9. März 2014


 Das Licht spiegelt sich auch im trüben Wasser


Nach einem Regenguss bilden sich schnell auf den Straßen und Plätzen Pfützen, deren Wasser oft schmutzig und trübe ist, manchmal auch ölig schillert. Jeder Passant versucht dann, den Spritzern möglichst auszuweichen, wenn ein Auto durch die Pfütze prescht.

Hat sich der Regen gelegt und der Himmel hellt sich auf, spiegelt sich selbst in ihrem trüben und mit Öl verschmierten Wasser das Licht des Himmels wider. Plötzlich liegt uns der Himmel buchstäblich zu Füßen. Diese schmutzigen Pfützen und Wasserlachen, denen wir geschickt auf unseren Wegen ausweichen, lassen uns nun ein Stück des Himmels mit seinen hellen und dunklen Wolken sehen und selbst die Sonne kann uns daraus entgegen scheinen. Das schmutzige Wasser in der Pfütze spiegelt nun etwas Helles und Schönes wider.

Wir Menschen sind doch in der Regel darum bemüht, dem Hässlichen und Schmutzigen auszuweichen. Bestimmte Viertel in den Großstädten werden im Dunkeln gemieden. Sozial schwachen Randgruppen gehen wir eher aus dem Weg. Da ist nicht viel Gutes zu erwarten. „Spiele nicht mit Schmuddel-Kindern“, hören schon die Kleinen. In den Meldungen der Medien begegnet uns meistens das Dunkle, Grausame und Bedrückende von Gewalt und Krieg und anderen Dingen, die Menschen sich antun. Das aber verengt unseren Blick. Es macht uns sogar Angst und verfinstert unsere Sicht auf Dinge und die anderen Menschen. Wir sehen oft nur noch das Negative, den Schmutz, die Dunkelheit und nicht mehr das Licht. Das Leben ist aber nicht nur dunkel, es ist auch hell, es eben hat viele Schattierungen und Nuancen. Es gibt eine ganz bunte Farbpalette.

Wo Licht ist, da ist auch Schatten. So ist es auch bei uns Menschen selbst. Keiner ist perfekt und absolut gut. Aber keiner ist auch „totale Asche“, wie es ein früherer Dozent uns immer wieder gesagt hat. Er wusste wohl, wo von er sprach. Dieses Wort ist bei mir bis heute hängen geblieben. Genau hinschauen, hinhören und erspüren, was wirklich ist, nicht was andere über wieder andere sagen, das kann helfen, in jedem Menschen noch etwas Gutes und vielleicht sogar Liebenswertes zu entdecken. Heißt es nicht zu recht: "Das Licht spiegelt sich auch im Wasser".

Ob es uns deshalb nicht auch gelingen könnte, die Welt um uns und die Menschen im Besonderen auf diese Weise zu sehen?