Montag, 17. März 2014

„Mit Kanonen auf Spatzen schießen“

Ja, genauso kommt es mir vor, wenn ich einmal in eine Talkshow hinein zappe oder die vielen hitzigen Kommentare in der Presse oder im Internet in den einschlägigen Foren lese. Da werden oft belanglose Themen ins Unendliche aufgeblasen und dabei steigern sich die Teilnehmer immer mehr hinein, bis sie selbst an ihre eigenen Worthülsen glauben. Das wirklich Große und Wichtige erscheint dagegen uninteressant und nebensächlich. Es geht zu wie auf dem Schlachtfeld. Erbittert und oft unfair wird dabei mit harten Bandagen gekämpft.

Mächtige Geschütze werden aufgefahren, wenn es darum geht, die mediale Meinungshoheit zu wahren oder zu gewinnen. Das erste Opfer ist natürlich auch auf diesem „Schlachtfeld“ die Wahrheit. Darum scheint es den meisten Kämpfern auch gar nicht mehr zu gehen. Was zählt ist der Sieg der eigenen Meinung. Um diesen zu erzielen, scheint jedes Mittel gerechtfertigt zu sein, ob es angemessen ist oder nicht. Der Gegner ist immer der, der es wagt, eine vom Mainstream abweichende Meinung zu vertreten. Er muss zum Schweigen gebracht werden und wird deshalb gnadenlos niedergemacht.

Hierbei wird nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen, sondern gezielt auf den Gesprächspartner gefeuert. Wer zuerst schießt, hat die größten Chancen zu überleben. Angriff ist die beste Verteidigung, persönlich verletzende Tiefschläge inbegriffen. Wer Schwäche zeigt, hat schon verloren. Die offene Flanke wird sehr schnell und treffsicher von dritter Seite ausgenutzt und einfach drauf gehalten. Ganz egal, ob der Schuss oder der Stich in die Brust oder in den Rücken geht, alles scheint dabei erlaubt. Schon die Auswahl der Teilnehmer an so einer Talkrunde lässt erahnen, wer als Verlieren vom Platz gehen soll. Die Kampfreihen sind  aufgestellt. Die Sympathie der Zuschauer entsprechend verteilt.

Wenn die Kämpfer langsam müde werden oder sogar einmal einen Konsens gefunden haben, dann gießt garantiert der Moderator oder die Moderatorin unfair noch einmal Öl ins Feuer oder eröffnet eine zweite und dritte Front, damit das Hauen und Stechen weitergeht. Dreiste Lügen, Entstellungen jeder Art und Vorverurteilungen gehören zur psychologischen Kriegsführung und  befördern das Geschäft. Am Ende der Schlacht aber, wie so häufig auf den Schlachtfeldern der Geschichte auch, gibt es keine ruhmreichen Sieger, sondern nur geschlagene Verlierer auf allen Seiten. 

Denn wer sich so entblödet, in Wort und Schrift in primitivster Weise zu agieren, der stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus. Das merken wohl immer mehr Leser und Zuschauer und lassen sich nicht länger für dumm verkaufen. Sie wünschen sich wieder eine gesunde Streitkultur, in der es allen Beteiligten mehr  um die Sache und die Wahrheitsfindung geht und nicht darum, sich selbst darzustellen und die anderen kaputt zu machen.  Kanonen sind dabei wahrlich kein geeignetes Mittel.