Donnerstag, 27. März 2014


 Halt geben – festmachen


„Gebt mir einen festen Punkt im All, und ich werde die Welt aus den Angeln heben“. 

Dieses Wort wird dem griechischen Gelehrten Archimedes im 3. Jahrhundert vor Christus zugeschrieben. Auf ihn gehen ja die bekannten Hebelgesetze zurück, von denen wir alle sicher  in der Schule gehört haben.

Mir scheint jedoch, die Welt sei heute bereits an vielen Orten aus den Angeln gehoben worden. Immer wieder sind Menschen dabei, vieles auszuhebeln und das ohne Rücksicht auf Verluste. Ob im privaten Bereich oder im großen Welt-geschehen. So vieles hat in unserer heutigen Zeit eine enorme Schieflage bekommen. Keiner weiß mehr so recht, woran er sich noch halten soll. Die Menschen sind deshalb eher haltlos als gehalten und sicher.

Etwas aus dem Gleichgewicht zu bringen, erscheint jedenfalls einfacher, als es in dem Selben zu halten. Wir erleben es gerade wieder, wie sich die Gewichte der Macht zwischen Ost und West verschieben. Jede dieser Verschiebungen aber provoziert entsprechende Gegenmaßnahmen. Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer beginnt und leicht entsteht ein unbeherrschbarer Flächenbrand. Verunsichert und angstvoll fragen sich die Menschen, die zwischen die Fronten geraten, worauf sie sich noch verlassen können. Gelten denn einmal gegebene Worte nicht  mehr und sind Verträge nicht mehr das Papier wert, auf dem sie geschrieben sind?

Viele haben daher den Eindruck, dass die anderen  immer am längeren Hebel sitzen. So bestimmt weithin Verunsicherung  ihr Leben und Handeln. Was oder  wer kann ihnen noch Halt geben? Woran können sie und wir alle uns festmachen? Wo ist der sichere Hafen, den die Schiffe bei Sturm und hoher See anlaufen, um dort festzumachen und Schutz zu finden? Manches im Leben gibt zwar vor, den Menschen Halt und Sicherheit zu geben, aber ob es immer trägt? Versicherungen für und gegen alle Eventualitäten stehen hoch im Kurs und werden wärmstens empfohlen. Leider halten auch sie nicht das, was sie versprechen.

Ich glaube fest daran, dass jeder selbst in seinem Leben, ehrlich und ausdauernd, diesen festen Punkt, den manche Gott nennen, nicht in den unendlichen Weiten des Alls, sondern ganz in der Nähe und in seinem Inneren suchen muss. Dies aber nicht, um die Welt aus den Angeln zu heben, sonder um Halt und Frieden zu finden und anderen zu geben.