Dienstag, 11. März 2014


Primeln im März

Die sonnigen Tage im März lassen ganz schnell die Nässe und Kälte von Herbst und Winter vergessen. Die Menschen zieht es  mit Macht ins Freie. Jeder Sonnenstrahl wird begierig aufgesogen. Die Gesichter und die Gemüter hellen sich merklich auf. Es kommt wieder Farbe ins Leben. Mit erstaunlicher Kraft und Stärke entwickelt die Natur ihre unvergleichliche Blüten- und Farbenpracht.

Das Frühjahr lässt auch in den Menschen eine seltsame Unruhe aufbrechen, die sogenannten „Frühlingsgefühle“, was das auch immer sein mag?  Überall kehrt neues Leben ein. Die Geschäfte preisen ihre Putz- und Reinigungsprodukte für den großen Frühjahrsputz an. Im Gartencenter und in den Baumärkten herrscht Hochbetrieb in den Gartenabteilungen. Primeln und Stiefmütterchen gehen weg wie frische Brötchen. Der Maler wirbt mit bunten "Frühlingsfarben" für einen neuen Anstrich und die Banken bieten einen frischen "Frühlingskredit" an.

Alles bewegt sich und soll sich bewegen. Der ständige Kreislauf der Natur bestimmt auch unser Leben. Die Jahreszeiten, die Wochen und Monate, die Stunden und Minuten geben den Rhythmus vor. Wenn dieser Lebensrhythmus einmal gestört ist, fühlen wir uns ganz unwohl. Irgendetwas stimmt dann nicht mit uns.

Viele Menschen haben heutzutage scheinbar ihren Lebensrhythmus verloren. Sie sind dadurch aus der Bahn geworfen. Es läuft nicht mehr rund in ihrem leben. Für sie gibt es keine Höhepunkte mehr, sie stehen neben sich und sind außen vor. Gründe dafür mag es viele geben. Die Arbeit und die Herausforderungen des Lebens haben sie weithin überfordert. Die Gefahr, im unstrukturierten Alltag zu scheitern, ist dann sehr groß. Das alles macht sie psychisch und physisch labil und krank. Und das sieht man den Menschen meistens schon an ihren freudlosen und grauen Gesichtern an. 

Jeder ist immer wieder gefordert, seinem Leben einen Rhythmus zu geben, denn Leben ist Bewegung. Es ist ein ständiger Wechsel von Anspannung und Entspannung. Ich werde bewegt und ich muss mich selbst bewegen. Nur so kann ich etwas bewegen. Wer natürlich meint, dass er ja doch nichts machen kann, der hat da schon verloren. Bewegungslosigkeit, Erstarrung im Denken und Handeln, Resignation, das bedeutet Absterben und letztlich Tod.

Die Natur macht es uns doch gerade vor, wie Leben geht. Im Frühjahr löst sich die Starre des Winters auf. Alles bekommt wieder Farbe und Duft. Das macht Mut zu einem neuen Anfang. Warum denn länger mit einem farblosen und lieblosen Gesicht durch das Leben laufen? Die Blumen blühen  für alle Menschen und die Vögel zwitschern dazu ihre Melodie.

Wischen wir also mit neuem Schwung das frostige Gesicht wieder blank und schenken den anderen ein fröhliches „Frühlingsgesicht“ und allen ein freundliches Lächeln. Das ist ja bekanntlich der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen.