Mittwoch, 4. Dezember 2013

Auf und davon


Einfach alles stehen und liegen lassen. Kennen Sie dieses Gefühl auch? Was ist da bloß passiert? Wo Menschen an Grenzen stoßen, wo sie nicht mehr alles über-blicken, wo sie die stupide Aufgabe, endlose Zahlenreihen in den PC einzugeben anödet, wo ihnen selbst Familie und Kinder mit all ihren Problemen über den Kopf wachsen, da kann dieser Gedanke schon einmal kommen. Bloß noch weg. Den wenigsten aber gelingt diese Flucht in eine einsame Blockhütte in den weiten Wäldern Kanadas oder anderswo hin. Flucht kann nicht alle Probleme lösen. Trotzdem werden täglich solche Fluchtversuche unternommen: Kinder und Jugendliche hauen von zu Hause ab, weil sie in der Schule versagt haben und nicht klar kommen. Ihnen fehlt es zwar an nichts zu Hause, außer dass sie sich nicht verstanden fühlen und  keiner wirklich Zeit für sie hat.  Auszubildende schmeißen ihre Lehre hin, sie haben „keinen Bock“ mehr und fliehen in eine Scheinwelt vermeintlicher Freiheit mit Alkohol und Drogen. Der Ehemann verlässt nach der Silberhochzeit seine Frau und die Familie, weil ihm irgendwie alles zu eng geworden ist. Die Freunde wundern sich, er hatte doch alles! Der Frau im täglichen Stress mit Familie und Beruf wächst alles über den Kopf. Sie flüchtet sich in Medikamente, die ihr helfen sollen, ihr Leben zu bewältigen und gerät so  in die Abhängigkeit.
Solche Fluchtversuche scheitern und führen eben nicht in die gesuchte Freiheit. Und doch sind auch wir  ständig irgendwie auf der Flucht und suchen Wege und Mittel der gegenwärtigen Situation zu entkommen. Wir ertappen uns dabei, wie wir in Gedanken  ganz wo anders sind. Wir sitzen im Zug und denken schon an das Ankommen am Ziel. Die Fahrt durch eine wunderschöne Landschaft  nehmen wir gar nicht mehr wahr. Endlich angekommen,  bewegt uns schon wieder der Gedanke an die Rückfahrt.  So sind wir immer woanders, nur nicht dort, wo wir gerade sind. Und genau das macht uns unruhig und unzufrieden. Ein Mensch aber, der nicht ganz bei sich ist, der ist auch nicht bei der Sache. Er verbreitet Hektik und  Unruhe und das führt häufig zu Ärger und Streit. Ein Mensch aber, der gesammelt ist, strahlt hingegen Ruhe und Frieden aus. Das tut allen gut.
Weil unsere Gedanken so oft „spazieren gehen“, so flüchtig sind, sind es auch unsere Beziehungen zu anderen Menschen. Oberflächlichkeit bestimmt den Alltag der Menschen weithin. Gewiss ist das „bei der Sache Bleiben“ nicht immer leicht und die  Gefahr der Ablenkung ist groß.Was tun? Wenn mein Auto bei der Fahrt nach links oder rechts ausbricht, dann muss ich gegenlenken! Das wusste schon der alte Zen-Mönch, der uns folgende Antwort gibt: „Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich.“ So ist er ganz bei sich und er selbst.

Gegenlenken heißt also, alles bewusster tun. Mich nicht von außen steuern lassen, sondern selber finden, was mir gut tut. Nicht fliehen, sondern vorwärts gehen. Nicht auf die Dunkelheit schimpfen, sondern ein Licht anzünden. Den Stress unterbrechen und neu starten. Selbst bestimmt leben und nicht ferngesteuert! Prioritäten setzen und lernen, Nein zu sagen. Das ist doch einen Versuch wert und nicht nur im Advent.