Montag, 9. Dezember 2013

Gratis und umsonst


Häufig flattern  Angebote ins Haus, bei denen uns etwas gratis angeboten wird. „Nur für kurze Zeit“, heißt es da, „Sichern Sie sich Ihr Geschenk!“ Das klingt  richtig toll, aber ganz umsonst ist es eben doch nicht. Nur wenn ich etwas aus dem Katalog oder im Internet bestelle, erhalte ich das „Geschenk“.
Der Trick scheint gut zu funktionieren. Die Menschen sind sehr empfänglich dafür, wenn es etwas gratis und umsonst gibt. Wir Deutschen sind wahrscheinlich schon „Weltmeister“ beim Sammeln von Payback-Punkten und anderen Rabattmarken. Der Anreiz ist groß, das Messerset für 100 Punkte umsonst zu bekommen, lediglich 19.50 € müssen noch zugezahlt werden. Wenn das kein Schnäppchen ist. Bei jedem Gewinnspiel im Internet, welches tolle Preise auslobt, sind natürlich die Anbieter die Gewinner. Sie erhalten völlig legal und gratis unsere Daten und wir eine Flut von E-mails mit Newsletter der Firmen auf unseren PC.
Für einen kleinen Einsatz einen großen Gewinn zu machen, das ist es doch wert, etwas zu wagen. An den Losbuden auf dem Rummelplatz gehen deshalb die Blicke sehnsüchtig zu den geschickt präsentierten Gewinnen. Eine Kaffeemaschine, der übergroße blaue Elefant, der Akkuschrauber, alles für wenig Geld und ein bisschen Glück! Wer wagt, gewinnt! zehn Lose für 3,- € gezogen, das muss doch klappen. Nach der letzen Niete wird aber endgültig klar, das war wieder mal umsonst.
Wir ergreifen gern die Chance, etwas umsonst und gratis zu bekommen, doch häufig vergeblich. Dafür  machen wir dann schmerzhaft mit der anderen Seite des „Umsonst“ Bekanntschaft. Dieses Umsonst frustriert und macht unzufrieden.  Sagen wir deshalb nicht oft: „Es war alles umsonst!“
Ein Junge hat für seine Mathearbeit gelernt und sich angestrengt. Er hatte sogar ein gutes Gefühl nach der Arbeit, doch der Lehrer war anderer Meinung, es reichte nur für Note 4. Ein Ehepartner bemüht sich die eheliche Gemeinschaft zu erhalten, der andere aber beendet sie, aus und vorbei, alles umsonst. Jemand hat seine ganze Kraft in das Geschäft investiert, es lief schlecht, die Insolvenz war nicht mehr aufzuhalten, alles umsonst. Eltern haben so viel für ihre Kinder getan, diese wenden sich von ihnen ab und verlassen sie und gehen ihre eigenen Wege. So könnte man sicher noch weiter fortfahren.
Diese „Umsonst-Erfahrung“, wenn alles vergeblich, alles umsonst ist, die raubt vielen Menschen von heute die Kräfte, ja die Lust am Leben.
Auf der anderen Seite leben wir natürlich alle von einem „Umsonst“, welches wir oft ganz selbstverständlich nehmen. Diesen Aspekt unseres Lebens öfter einmal zu betrachten, ist sicher lohnenswert.
Dass wir leben ist nicht unser Verdienst, das Leben ist uns umsonst geschenkt worden. Als Kinder hat uns die Liebe und Sorge der Mutter umgeben. Anderen Menschen verdanken wir, dass wir sprechen, lesen, schreiben können. Echte Liebe und wahres Glück, alles was nicht für Geld zu haben ist, erhalten wir umsonst. Das wirklich Wichtige im Leben der Menschen ist ein Geschenk, eine Gabe, ist gratis und umsonst. Davon leben wir alle.
Das kleine Wort gratis kommt übrigens vom lateinischen Wort „Gratia“. Es bedeutet Dank. Darum sollte unsere Antwort auf das große „Umsonst“ unseres Lebens viel häufiger ein „Danke“ sein.