Freitag, 10. Januar 2014

Leben light – oder was?

Wovon lassen wir uns heute eigentlich leiten? Gibt es in unserer Gesellschaft noch so etwas wie Leitbilder, die uns prägen und Leitlinien, denen wir folgen können? Oder folgen die Menschen einem anderen Motto, welches da lautet: Leben „light“, leicht und bequem.

Dieser Trend scheint sehr zugkräftig zu sein, denn überall wird damit geworben: Alle Produkte, die mit dem Schriftzug „light“ versehen sind, werden besonders nachgefragt und gläubig gekauft. Wir sind auf dem Weg zu einer wahren  „light-Kultur“. Aber nicht nur leicht, sondern auch noch billig sollen die Produkte sein, die wir kaufen und konsumieren. Alles Schwere und Unangenehme passt nicht mehr zum heutigen Lebensstil. Schwere Kost ist out, genau wie alles andere, was Mühe macht. Dienstleistungen sind gefragt, aber keiner will sie mehr übernehmen. Sie werden ganz schnell auf andere abgeschoben, die es noch nötig haben. So war es bereits in der alten Bundesrepublik während der „Wirtschaftswunder-Jahre“. Damals brummte die Wirtschaft, es gab reichlich Arbeit, aber die war schwer und dreckig. Also wurden so genannte „Gastarbeiter“, vorwiegend aus Südeuropa und der Türkei, ins Land geholt. Nur sie blieben nicht Gäste, sondern sie holten ihre ganze Familie nach und blieben in Deutschland.
Heute fehlen wieder Ingenieure, Informatiker und medizinisches Personal, da wird versucht mit Erleichterungen bei der Einreise Ausländer aus ihren Heimatländern abzuwerben. Nach dem 01. Januar 2014 erwartet man viele Bulgaren und Rumänen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die einen freut es, anderen macht es eher Angst. Gefragt sind vorwiegend gut ausgebildete, junge Leute, deren Ausbildung Deutschland natürlich kein Geld kostet. Im Pflegebereich sind osteuropäische Pflegekräfte für billiges Geld gern gesehene Arbeitskräfte, die unsere Pflegekassen entlasten und Engpässe in den Pflegeeinrichtungen lindern sollen.
Es wird dabei wieder ein Weg beschritten, der die wenigsten Anstrengungen und das wenigste Geld erfordert. Die Lasten werden so auf andere Schultern abgewälzt. Ich halte das für eine neue Art von "Kolonialismus", der getarnt, in einem  globalen Gewand daherkommt. Was ist es denn anderes, wenn Zuwanderung nur Mittel zum Zweck ist? Damit kann die deutsche Wirtschaft weiter Exportgewinne einfahren und die Besitzstände im Land bleiben gewahrt. Hier werden eklatant die Notlage anderer Länder und deren Menschen ausgenutzt. Da machen es sich die westlichen Industriestaaten und Deutschland doch entschieden zu leicht, wenn sie das Wissen und die Arbeitskraft für billiges Geld einkaufen. Aber bitte nur gut ausgebildete Fachkräfte! Dieses Wissen und Können geht somit den Herkunftsländern verloren, die die Kosten für Bildung und Ausbildung getragen haben. Ist das noch fair?
Selbst wenn von dem verdienten Geld etwas in die Heimatländer zurückfließt und einen kleinen Wohlstand bringt, ist der Preis dafür doch sehr hoch. Ganze Familien werden auseinander gerissen, Kinder wachsen bei Verwandten oder in Heimen auf, weil die Eltern im Ausland arbeiten müssen und das über lange Zeit. Das ist dann  ganz gewiss kein leichtes Leben.
„Leben light“ hat auch seinen Preis! Es ist nur die Frage, wer muss ihn bezahlen?