Mittwoch, 20. November 2013

„Der Umwelt zuliebe"

war ich gerade an der „Gelben Tonne“. Wir trennen nämlich ganz säuberlich Papier und Pappe, weiße, braune und grüne Flaschen und Gläser. Der Restmüll kommt in die „Graue Tonne“, der Biomüll in die „Braune Tonne“. Auf den Straßen der Stadt und vor den Häusern sieht das oft nicht gerade schön aus, aber „alles der Umwelt zuliebe“.
Wir wissen ja alle, dass unsere Welt, in der wir leben, vielfältig bedroht ist. Wasser, Luft und Erde sind weltweit durch eine enorme Umweltverschmutzung stark beeinträchtigt. Klimaerwärmung, Ozonloch, Smogalarm das sind nur einige wenige Vokabeln, hinter denen eine bedrohliche Wirklichkeit steht. Zwar können dank enormer Anstrengungen und neuer Technologien Fortschritte auf dem Umweltsektor verkündet werden, aber dass darf uns nicht darüber hinweg täuschen, dass, wenn es darauf ankommt, immer noch die Ökonomie über die Ökologie triumphiert.Andererseits haben die Wirtschaft und der Handel auch entdeckt, dass sich mit Waren aus einem so genannten ökologischen Anbau und mit Naturprodukten gute Geschäfte machen lassen. Mit immer neuen Gütesiegeln wird dafür kräftig geworben.
Wo aber der Umweltfaktor sich zu stark auf den Markt und die Gewinne auswirkt, finden die Wirtschaftsunternehmen immer wieder Lücken im System, um so die Auflagen zu umgehen. Emissionshandel und Sonderpreise für Energie in bestimmten Industriezweigen sind da nur zwei Stichworte.
Es stellt sich nun die Frage, was oder besser wer gefährdet und bedroht denn eigentlich die Umwelt, also die Welt, in der wir alle leben? Das zuvor Gesagte nimmt die Antwort bereits vorweg, es sind die Menschen selbst. Die Spezies Mensch allgemein und der Einzelne ganz konkret. Albert Einstein formulierte es so: „Das Problem ist heute nicht die Atombombe, sondern das Herz des Menschen.“ Was er damit meint ist, dass der grenzenlose Egoismus der Menschen das Grundübel aller Missstände auf dieser Erde ist. Wenn ethische Werte und Normen hinter der Gewinnmaximierung zurück treten, dann hat die Umwelt nur geringe Chancen. Wir können deshalb von einer gravierenden „Innenweltverschmutzung“ ausgehen.
Und um in der technischen Diktion zu bleiben, meine ich, dass der Mensch, der seelisch schon so „kontaminiert“ ist, keine Skrupel mehr hat, bewusst die Umwelt zu gefährden, wenn es ihm nützt oder einfach bequemer ist. Dort wo der Mensch sich selbst zum Maßstab macht, wird er keinen anderen mehr anerkennen. In einer Gesellschaft, in der die Autonomie und die uneingeschränkte Freiheit des Einzelnen über alles gesetzt wird und scheinbar das Ziel ausgeben ist, alle sittlichen Tabus zu brechen, muss man damit rechnen, dass es zu solcher Verschmutzung der Umwelt aber besonders der „Innenwelt“ der Menschen kommt. Beispiele dafür gäbe es zur Genüge. Jeder kennt sie und mancher leidet vielleicht selbst darunter.

„Der Umwelt zuliebe“ ist sicher ein richtiger Aufruf an uns alle, doch es wird ein hilfloser Versuch bleiben, wenn nicht darüber steht: „Dem Menschen zu liebe!“