Montag, 18. November 2013

Ein Schmetterling im November


Gestern entdeckte ich einen Schmetterling an unserer Hauswand. Es war ein  recht kalter Novembertag. Die Kälte hatte ihn träge und unbeweglich gemacht. Er hatte noch einmal seine Flügel weit ausgebreitet und sie für die letzten Sonnenstrahlen geöffnet, die ihm noch etwas Wärme geben sollten.
Das war für  mich ein trauriges Bild, denn unsere Vorstellung vom Schmetterlingsleben ist wohl eine ganz andere. Sie flattern farbenprächtig und so leicht im Sonnenschein über die bunt blühende und duftende Sommerwiese. Auf  den schönsten Blüten lassen sie sich nieder und genießen  ihr Leben. Dann flattern sie einfach weiter Es ist eine wahre Freude, den Schmetterlingen zuzusehen. Sie tanzen buchstäblich einen Sommer lang ihr Leben. Ob sie auch ahnen, wie kurz es ist?
Diese scheinbar unbeschwerten und flatterhaften Wesen wecken in uns die Sehnsucht nach dieser Leichtigkeit und der Lust am Leben. Wir dagegen fühlen uns häufig schwerfällig und gefesselt an unsere alltäglichen Aufgaben. So manche Verantwortung für uns und das Leben anderer lastet auf uns. Vielen Dingen können wir einfach nicht  entfliehen und es kommt täglich Neues dazu. Das auszuhalten ist für manche schwer.
Doch es bleibt  wohl für  immer ein Traum, sich wie ein  Schmetterling in die Lüfte zu erheben und dem Sonnenlicht entgegen zu fliegen. Einfach einmal alle Sorgen hinter uns zu lassen und ganz frei zu sein.
Unsere Welt ist die Erde, dort wo jeder hingestellt wurde, dort soll er mit beiden Füßen fest auf dieser stehen. Hier dürfen wir anpacken und Gutes wirken. Einer für den anderen da sein. Nur so kann und wird das Leben der Menschen gelingen.  Nicht abgehoben und fernab aller Wirklichkeit. Dazu gehört der Mut des Alltags, immer wieder neu zu beginnen.
Nun ist der Schmetterling an der Hauswand verschwunden. Still ist er gegangen. Er wusste nicht, dass sein Leben kurz ist, aber er konnte trotzdem Freude bringen. Wenn die Schmetterlinge im Herbst sterben müssen, wissen wir, dass es im nächsten Sommer wieder herrlich bunte Schmetterlinge geben wird. Denn aus den Raupen werden nach der Entpuppung wieder wunderschöne Schmetterlinge.
Damit ist der Schmetterling zum Symbol für alles Werden und Vergehen geworden. Der Schriftsteller Heinrich Böll hat es in einem Gedicht einmal so formuliert:

Wenn die Raupen wüssten, was einmal sein wird,
wenn sie erst Schmetterlinge sind,
sie würden ganz anders leben:
froher, zuversichtlicher und hoffnungsvoller.
Der Tod ist nicht das Letzte.


Der Schmetterling ist das Symbol der Verwandlung,
Sinnbild der Auferstehung.
Das Leben endet nicht, es wird verändert.
Der Schmetterling erinnert uns daran,
“dass wir auf dieser Welt nicht ganz zu Hause sind”.